Andacht zum Gemeindebrief 3/2019

… der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und seine Blätter verwelken nicht. (Psalm 1,3)

Lieber Leser, liebe Leserin!
Den alten Buchen geht es schlecht, das musste ich jetzt von einem Waldbauern erfahren. Sie lassen viel zu früh ihr Laub fallen und bekommen die Schleimflusskrankheit. Diese Nachricht hat mich erschreckt. Also nicht nur die Fichten im Harz, sondern auch hier, unsere Buche leidet. Und ja – wir als Menschen – um diese Erkenntnis kommen wir einfach nicht mehr herum, sind – durch unseren rücksichtslosen Umgang mit Gottes Schöpfung, dafür verantwortlich. Es sind nicht nur Parteien, Regierungen, Politik gefragt, sondern jede/r Einzelne … an welcher Stelle kann ich etwas tun, weniger verbrauchen an Energie, Ressourcen, Plastik…

„Wer Lust hat am Gesetz Gottes und darüber nachdenkt Tag und Nacht, der ist wie ein gesunder, kräftiger Baum,“ will uns Psalm 1 locken. Von hierher, von der Rückbesinnung auf Werte wie Rücksicht, Respekt und Nächstenliebe – ja dem Leben in Achtsamkeit und Liebe, kommt ein umdenken. Wir leben meist nach dem Gesetz: höher, schneller, weiter: mehr Ertrag, mehr Profit, mehr Erlebnis und Event.

Vielleicht kann uns der einsetzende Herbst nachdenklich machen, etwas ruhiger und mit mehr Zeit. Genug Anlässe, Feiertage – freie Tage – haben wir in unserem kirchlichen Kalender: ich denke an das Erntedankfest. Früchte, Gemüse, Lebensmittel werden unsere Altäre wieder schmücken: Wir sagen Gott Dank und überlegen, wo können wir etwas abgeben für Bedürftige. Reformationstag … wie können wir unsere Kirche erneuern? Der Volkstrauertag in diesem 81. Jahr nach dem Beginn des 2.Weltkrieges: wo können wir Versöhnung finden?

„Wer Lust hat am Gesetz Gottes…“ – wird auch Lust bekommen an einem anderen Leben, bescheidener, ehrlicher, fröhlicher … nur gemeinsam können wir es schaffen, mit Gottes Hilfe …

Vielleicht helfen uns dabei ja auch die Bäume: die leidende Buche, die uns aufrüttelt … die gesunde, uralte Eiche, die schon so manchen Sturm überstanden hat, die nachwachsenden jungen Buchen in der „Naturverjüngung“ wie es in der Forstwirtschaft heißt. Hören wir auf die „Fridays for future“ und auf die ältere Generation, die noch weiß, wie man neu anfängt… und etwas aufbaut, auch wenn man alles verloren zu haben glaubt.

Ihre und Eure Pfarrerin Christiane Coordes-Bischoff