Andacht zum Gemeindebrief 155 4/2019

So spricht der Herr: Ich habe dich erhört zur Zeit der Gnade und habe dir am Tage des Heils geholfen. – Jesaja 49,8

Liebe Leute!
Wenn Sie diese Zeilen lesen, hat das neue Kirchenjahr angefangen. Die schweren Tage des Gedenkens im November liegen hinter uns. Das Gedenken im bewussten Rückschauen war wichtig und bedeutend: am 9.11., dem Schicksalsdatum der Deutschen, dem Volkstrauertag, dem Ewigkeitssonntag.
Mit dem 1. Advent beginnt etwas Neues, das nach vorne gerichtet ist. Meinen Konfirmanden habe ich beigebracht, dass „Advent“ – Ankunft bedeutet, genau in dem Sinn, wie auf Bahnhöfen, die gelben oder weißen Plakate von der Ankunft der Züge künden. Da wird etwas geschehen bei der „Ankunft“, dass unser Leben wandeln und verändern möchte. Da kommt etwas Dynamisches und Großes auf uns zu.
Bei Jesaja spricht Gott von der „Zeit der Gnade“. Und ja, ich empfinde schon die Wartezeit hin auf diese spezielle Gotteszeit als ein Gnadengeschenk. Dieses Wort „Gnade“ ist aus der Sprache des Glaubens nicht wegzudenken. Ich natürlich, dass dieses Wort und das, was es meint, für viele unserer Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts nicht zu fassen ist.
Gerade deswegen möchte ich uns Mut machen, wieder neu zu lernen, was Gnade sein könnte und den Advent als Gnadenzeit wahrzunehmen und anzunehmen.
Es ist doch wunderbar und ein großes Angebot, dass wir mit jedem 1. Advent neu nach vorne blicken dürfen, das Alte, was uns belastet und oft sogar quält, eben durch Gottes Perspektive hinter uns lassen können. Wie ein neu angelegter Weg für jeden und jede, ganz persönlich, gemeint und zugesprochen, auf dem wir auf Gott, auf Jesus Christus zugehen dürfen. Um dann an Weihnachten zusammen an der Krippe anzukommen.
Wichtig für uns Christen ist dabei, immer wieder auch auf die Propheten – und Gottesworte aus dem Alten Testament zu hören und zu blicken. Gott hat sein Volk bewahrt vor den Folgen des eigenen Handelns und gewährte darüber hinaus Tage der Rast und Ruhe, Zeiten der Freude, Augenblicke der Hilfe und Zuwendung.
Schon bei Jesaja wird Gottes Gnade sichtbar als ein Raum des Schutzes und des Lebens, der allen Menschen offensteht.

Mit dem Advent ist uns ein solcher zeitlicher „Schutz – Raum“ geschenkt. In dem wir selbst Gnade walten lassen können und sollen anderen gegenüber. Und auch mit uns selber dürfen wir gnädig umgehen. Der Advent gibt uns die Möglichkeit zur Besinnung nach vorne, also nicht nur rastlos, freudlos und hilflos auf Weihnachten zuzurasen oder auch zu stolpern, sondern Mut zur Pause – Mut zum Durchatmen – Mut, sich mit Zeit beschenken zu lassen.
Gott blickt uns alle mit den Augen der Gnade an und eröffnet mit dem Advent einen großen Freiraum, den wir sehen und nutzen sollten.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und Euch
eine gnadenreiche Advents – und Weihnachtszeit,
Ihre und Eure Pfarrerin Christiane Coordes-Bischoff