Freue dich: eine Oase in der Wüstenzeit

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, die ihr lieb habt!
Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid! (Jesaja 66,10)

Dieser 22.3.2020 – der Sonntag Laetare (lat.: Freue dich), an dem die Zahl der Coronainfizierten in Deutschland über 20 000 gestiegen sein wird – fordert uns mit seinem Namen zur Freude auf! Wie soll das gehen, liebe Gemeinde, liebe Leser und Leserinnen?

Es ist nicht einfach, in diesen Zeiten „das Positive“ zu sehen, positiv zu denken, wie wir es anderen und uns selbst sooft sagen. Zu schnell hat sich die Welt und unser Alltag in der vergangenen Woche grundlegend geändert. Alles öffentliche Leben liegt lahm; Schulen und Kindergärten wurden geschlossen; Gottesdienste dürfen nicht stattfinden; Homeoffice ist vielen verordnet; Kurzarbeit nicht nur in der Industrie; Existenzängste in der Gastronomie, im Tourismus … Freue dich? Und dazu die Fernsehbilder aus Italien wie ein Szenario, das bei uns bald auch so ablaufen könnte. Die Vorbereitungen in den Kliniken und im Gesundheitssystem laufen auf Hochtouren … und noch immer gibt es Menschen, die die Verordnung der sozialen Distanz nicht einhalten, so dass wir nicht wissen, ob die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus wirksam sein werden …

Wie wird es weitergehen und wie lange wird der Spuk dauern?
Freue dich??
Uns steht eine schwere Zeit bevor, die ganze Welt wird von dieser Pandemie geschüttelt, verursacht durch einen Virus, einen aggressiven Krankheitserreger.
Was können wir tun, wie kann ich angemessen reagieren, denn es kommt ja „auf jeden einzelnen an“, wie uns die Kanzlerin eingeschärft hat.

Wir Christen erinnern uns in diesen Wochen vor Ostern an den Leidensweg Christi zum Kreuz. Mittendrin werden wir aufgefordert: Freue dich! Das Osterfest soll schon einen Lichtstrahl auch in diese dunkle Zeit schicken, nicht violett, sondern rosa ist darum die Farbe des Sonntags!!
„Auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet!“ (Jesaja 66,12-13)
Da, wo offene oder verdrängte Angst uns beherrschen will, wo scheinbar mutige Rücksichtslosigkeit sich breitmacht, da hilft mir keine rosarote Brille. Aber ich kann darauf vertrauen, dass Gottes Liebe da ist, dass ich mich Gott mit meinen Ängsten und in meiner ganzen Hilflosigkeit anvertrauen darf und sein Trost mir neuen Mut und Ideen schenkt für jeden neuen Tag; denn zu tun gibt es genug: Nun gilt es in dieser Sondersituation sich nicht seelisch einzuschließen, sondern neue Wege zur Kommunikation und gegenseitigen Unterstützung zu finden.
Allein das Telefon: „Ruft doch einfach jeden Tag zwei Menschen an“, macht ein Pfarrer seinen Senioren Mut; „vergrabt euch nicht und vielleicht wählt ihr gerade die Nummer von denen, die ihr normalerweise nicht anrufen würdet …“
Andere überlegen, wie sie in Nachbarschaftsaktionen Älteren beim Einkaufen helfen könnten.
Ja, liebe Eltern und Kinder – auch der Kindergottesdienst fällt aus, vielleicht könnt ihr ja mal eine „Osterkrippe“ basteln (www.kirche-in-elbe.de) …
Und wir können beten! Jeden Mittag läuten um 12.00 Uhr nun die Glocken: Haltet in der Tagesmitte einen Moment inne, denkt an die Kranken in ihren Häusern und in den Kliniken und an diejenigen, die sich um sie kümmern oder betet einfach, wie es ein Konfirmand noch vor 2 Wochen im Vorstellungsgottesdienst in Baddeckenstedt ganz einfach in der Fürbitte formuliert hat: Herr, hilf uns, mit dem Coronavirus fertig zu werden!

Freue dich – ja, vielleicht doch einfach. Vergesst die Freude nicht!
Entdeckt die Oasen in der Wüste, dankt für das Leben, die Musik, das gute Essen, das Gespräch, die Hilfe, die ihr empfangt, die Ruhe der Nacht, den guten Film, das alte, neu entdeckte Spiel, den Sonntag …

In die neue Woche, die für uns als Christen ja mit dem Sonntag beginnt, möchte ich Sie und Euch schicken mit Worten aus unserem Gesangbuch (EG 595):

Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du.
Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort. Von ihm lebst du.
Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag. Für ihn lebst du.

Unser Gott segne und behüte uns,
unser Gott lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig
unser Gott erhebe sein Angesicht auf uns
und schenke uns seinen Frieden. +

Amen