Wir sind krank – Gedanken zu Krankheit und Heilung in Coronazeiten

Lieber Leser, liebe Leserin!

Einer meiner ersten Gedanken zur Coronakrise war: Es ist als ob die Erde selbst sich schüttelt und die Menschheit abwerfen möchte. Der Mensch, der in seinem Übermut, Erde, Luft und Meer ausbeutet und verschmutzt – nun bekommen wir die Quittung. Wie ich als Einzelne, wenn ich Raubbau an meiner Gesundheit treibe, erfahre, wie mein Körper irgendwann die Notbremse zieht und ich krank werde und eine unfreiwillige Auszeit aufgebrummt bekomme, so geht es uns jetzt kollektiv als Menschheit.

Die Coronapandemie greift uns Menschen überall auf der Welt an. Ich merke, ich bin nicht nur ein Einzelwesen, ich bin nicht nur Bundesbürgerin. Wir sitzen alle im gleichen Boot. Die Nationalstaaten, die EU und China, die USA – unsere Wirtschaft ist global ausgelegt, durch Handels- und Produktionswege, durch Arbeitskräfte, die wir brauchen, sind wir miteinander verflochten, wie in einem Körper die Blutbahnen, Zellen und Organe miteinander verbunden sind. Manche Teile des Körpers sind schon arg vom Virus befallen, das spüren wir – uns fehlen Atemschutzmasken und Medikamente aus China, Maschinenteile aus Italien … andere Organe sind noch gesund, aber genauso gefährdet.

Wir sind krank, wir die Menschheit. In immer mehr Teilen der Welt wird uns kollektive Ruhe, eine Ausgangssperre, ein Kontaktverbot verordnet, damit die Krankheit sich nicht zu schnell ausbreitet und das System zusammenbricht. So hat sich der Pulsschlag in vielen Teilen der Welt verlangsamt. Gleichzeitig wird an entscheidenden Stellen fieberhaft gearbeitet, denn der Körper will wieder gesund werden … bei Verletzungen ist es die Wundheilung, bei Viruserkrankungen sind es die Antikörper die aktiviert werden und unter Volldampf arbeiten. In der Coronakrise wird auf den Intensivstationen um Menschenleben gekämpft; in den Laboren werden Infizierte getestet und es wird geforscht nach Medikamenten und Impfstoffen; in Instituten werden Berechnungen angestellt, Prognosen und Szenarien entwickelt; in Krisenstäben werden nächste Schritte beraten, Regierungen beschließen Schutzmaßnahmen und Milliardenmittel werden als Rettungsschirme bereit gestellt.

Wie wird es weitergehen? Werden wir heilen und was werden wir aus dieser Krankheit lernen, was werden wir mitnehmen in die Zeit „nach“ oder „mit“ Corona?

In Psalm 41, 2-4 heißt es: „Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt! Den wird der Herr erretten zur bösen Zeit. Der Herr wird ihn bewahren und beim Leben erhalten und es ihm lassen wohlgehen auf Erden und ihn nicht preisgeben dem Willen seiner Feinde. Der Herr wird ihn erquicken auf seinem Lager; du hilfst ihm auf von aller Krankheit.“

„Du hilfst ihm auf von aller Krankheit.“

Gott ist kein Rächer, der nun mit seinem Strafgericht die sündige Menschheit vernichten möchte, Gott will uns heilen.  Wenn wir im Mitmenschen das Du erkennen, das Du der gegenseitigen Hilfe in Not, wird Gott uns begegnen und uns aufhelfen von aller Krankheit … nicht nur in der Corona – Pandemie.  Denn wir sind auch krank an Hochmut, der uns in die Zerstörung treibt, in Kriege und uns rücksichtslos macht gegenüber Mensch, Tier und Umwelt. Gott will unser Miteinander auf dieser Erde heilen und wird uns dann bewahren, es wird uns wieder gutgehen. Das ist die Vision. Im Augenblick ist ja beides da: es viel Hilfsbereitschaft und Solidarität, aber auch die Verschwörungstheoretiker, die Geschäftemacher und die Autokraten stehen in den Startlöchern, um ihren Gewinn aus der Krise zu ziehen.

„Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt!“ – An Karfreitag und Ostern ist Gott selbst in Jesus Christus den Weg der Schwachheit gegangen und gerade so siegt das Leben. Und so haben auch wir Menschen, die wir jetzt krank und schwach sind, gute Aussichten auf Genesung.

Pfarrerin Christiane Coordes-Bischoff aus Baddeckentstedt