Karsamstag

Noch schnell die letzten Einkäufe erledigen, das Haus noch mal putzen, den Garten klar machen, etwas vorkochen für das Osterfest, so oder so ähnlich sahen die Samstage vor Ostern für viele Menschen in unserer Gegend aus. Nach dem Karfreitag, ein wenig Alltag und dann hinein in die zwei Festtage.

In diesem Jahr wird es vermutlich nicht so sein, wie es seit vielen Jahren teil unseres österlichen Lebens gewesen ist. Einkaufen vielleicht, aber ansonsten ist Ruhe angesagt.

Wir sind mittendrin im Verzichtsgeschehen der Coronazeit. Das Virus hat uns in der Hand, es treibt zu gesellschaftlichen Entscheidungen, die niemand bisher so erlebt hat.

Und was ist morgen? Was ist wenn der Spuk vorbei ist? Wenn wir diese Pandemie überstanden haben? Viele sind ratlos, manche sehr sorgenvoll, andere treiben regelrechte Zukunftsängste um.
Karsamstag.

Für die Menschen rund um Jesus war das von der Stimmung her eine ganz ähnliche Zeit. Sie hatten ihr Leben diesem Menschen und seiner Botschaft verschrieben. All das, was er so sagte und tat, das bestimmte das Leben und so sollte es auch weitergehen.

Und jetzt ist er tot. Gekreuzigt. Und mit ihm sind alle Hoffnungen, alle guten Gedanken dahin. Alle vorweitstreibende Kraft mit den Hammerschlägen auf Golgata zunichte. Aus, Ende, vorbei.

Wir Freunde Jesu leben noch – wenn auch in Angst, dass es auch uns erwischen könnte – aber wie soll es weitergehen? Was kommt da auf uns zu?

Der Karsamstag steht für mich für die Zwischenzeiten, in denen das Leben unklar ist. Ein Ereignis ergreift uns. Jetzt ist nichts mehr zu ändern. Und die zukunftsweisenden Gedanken fehlen noch. Lähmung, Stillstand, Ungewissheit. Es bleibt nichts weiter als auszuhalten. Wir müssen in diesen Zeiten die Ungewissheit tragen. Wir können jetzt noch nicht abschätzen, wie das Leben weiter geht.

Aber im Gegensatz zu den Wegbegleitern Jesu haben wir es besser. Das erste Ostern liegt hinter uns. Wir wissen um die Kra ft Gottes auch in den Zeiten des Endes, in den Zeiten grundlegender Veränderung des Lebens. Und Ostern liegt vor uns – als Fest, aber auch als Glaubenshoffnung für die Zeit nach der Corona-Pandemie.

Am Karsamstag schweigen vielfach die Glocken. Darum wird dieser Tag auch „stiller Samstag“ genannt.
Wir wollen jetzt eigentlich keine Stille. Wir wollen gesellschafliches Leben, wollen gemeinsam die Ostertradionen feiern, den fröhlichen Osterspaziergang der Familie unternehmen. Doch da wird wohl nichts draus. Normales Leben wird vermutlich noch dauern.

Halten wir diese Zeit aus.

Wir können das, weil unsere Hofnung einen Grund hat:
Ostern – Den Sieg des Lebens über den Tod.

Jürgen Grote

LIED-GEDANKEN

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.
1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott.
2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott.
3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott.
4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bittten wir. Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott.
Text: Anne Quingley 1972 – dt. Eugen Eckert 1986

GEBET

Gott, unser Leben hat sich verändert. Alle Gewohnheiten angetastet. Wir leben stiller als früher.
Lass dich vernehmen in dieser Stille. Gib uns die Kraft zum Aushalten aller Ungewissheit.
Und wenn es weiter geht, führe uns auf gute Wege miteinander, zueinander in der Kraft deines heiligen Geistes.
Amen