Andacht am 24. April 2020

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser und Leserinnen!

Wieder geht eine Woche mit Kontaktverbot zu Ende, ab Montag haben wir auch hier in Niedersachsen die Mundschutzpflicht in Geschäften. Ich habe heute in der hiesigen Gärtnerei schon mal geübt. Nein, schön ist es nicht, das Gesicht zu verbergen und auch vom Gegenüber nicht das Lächeln oder die Traurigkeit in der Mimik zu erkennen. Bei einem nötigen Krankenbesuch verstand mich die Kranke aus 2m Entfernung mit dem Mundschutz nicht …, aber was hilft es, wir müssen uns wohl daran gewöhnen.

Mich hat diese Woche ein Satz aus dem Evangelium des vergangenen Sonntags begleitet. Da sagt Jesus, der Auferstandene zu Thomas, dem Zweifler: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Aber selig sind die nicht sehen und doch glauben.“ (Johannes 20, 19-29) Ich durfte gestern im Innenhof des Seniorenheims eine Andacht draußen halten und wie froh waren wir, dass wir uns nach vielen Wochen wieder einmal sehen konnten – nein, natürlich mit Abstand und selbstverständlich haben wir uns nicht die Hand gegeben. Das ist sehr schade, denn gerade über die Berührung entsteht doch Nähe und ich kann etwas ausdrücken, was mit Worten nicht geht. „Selig sind die nicht sehen und doch glauben.“ Vertrauen ist das wichtigste: dass ich weiß, auch wenn ich meine Angehörigen im Moment nicht treffen kann, wenn ich meinen Sohn zum Geburtstag nicht in die Arme nehmen kann: Ich denke an dich, ich hab dich lieb. „Ich schick dir eine „Luftumarmung“, sagt die sechsjährige Enkeltochter ihrer Oma – der Besuch mit Distanz ist gerade für die Kleinen schwer zu begreifen. „Ich schick dir eine Luftumarmung.“ Da hat sie ein Wort gefunden, dass die Seele streichelt und der Oma ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Nein, auch in der österlichen Andacht im Sonnenlicht im Seniorenheim haben wir den Auferstandenen nicht gesehen; und wie Thomas waren wir zwischendurch voll Angst und Zweifel. Denn gerade in dieser halben Stunde geschah unmittelbar neben uns auf der Straße unseren Blicken entzogen ein Verkehrsunfall, der uns erschrocken hat. Als die aus dem Gottesdienst dorthin eilenden Pflegerinnen zurückkamen mit der Botschaft: die Verletzte ist ansprechbar, da waren wir erleichtert … und ja, war nicht der Auferstandene tatsächlich hier in Oelber, wie ich es in der Predigt gesagt habe, schützend, helfend? „Friede sei mit Euch!“ sagte er den versammelten Jüngern. Und ja, das wünsche ich uns auch für dieses Wochenende und die Entwicklungen in der kommenden Woche: Dass wir bei allem den Frieden nicht verlieren und Gott uns auch weiterhin Geduld und Zuversicht schenkt.

Ja, und vielleicht haben Sie ja Zeit und das Bedürfnis für ein Gebet in unserer Kirche. In Baddeckenstedt werden wir morgen, am Sonnabend, den 25.4.2020 um 18.00 Uhr die Kirche für eine Stunde geöffnet haben. Ich werde auch da sein und freue mich auf ein Gespräch – selbstverständlich mit vorgeschriebenem Abstand – vor der Kirchentür, ebenso am Sonntag, den 26.4.2020 um 10.00 Uhr. Dies sind die geplanten Gottesdienstzeiten für dieses Wochenende. Eigentlich wollten wir eine Rüstandacht und die Konfirmation feiern …. Nun öffnen wir wenigstens unser Gotteshaus.

In Ringelheim, meiner Vakanzgemeinde, öffnet Carmen Jerke, die Küsterin, die Kirche um 17.00 Uhr am Sonnabend.

Bleiben Sie behütet!

Ihre und Eure Pfarrerin Christiane Coordes-BischoffWo