Regenbogen als Himmelszeichen

Westerlinde, den 2.5.2020

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!

Jubilate, „Jubelt!“, fordert uns dieser Sonntag auf. In Erstaunen versetzt hat mich gestern gegen Abend ein strahlender Regenbogen, der sich wirklich ganz über den Himmel erstreckt hat. Das von mir gemachte Foto kann es nicht wiedergeben. Dunkle Wolken über dem Innerstetal, ich saß im Auto neben meinem Mann, wir kamen aus Richtung Hannover und fuhren noch in der Sonne. Wie eine Demonstration des Himmels an diesem besonderen ersten Mai.

„Solange die Erde steht, soll nicht aufhören, Saat und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht!“ sagt Gott nach der Sintflut zu Noah, nachdem die Geretteten die Arche verlassen dürfen (1.Mose 8,22) und dann setzt Gott seinen Bogen in den Himmel. Ich denke an das frische Grün, das wir bei unserem Waldspaziergang genossen haben und an die nun nach dem Regen kraftstrotzenden Getreidefelder. Ja, der Frühling ist da und vertreibt zum Glück die allzu pessimistischen Gedanken. Wir werden wieder Gottesdienste in unseren Kirchen feiern dürfen, vielleicht schon in einer Woche, die ersten Bundesländer und Kommunen haben schon diesen Sonntag freigegeben. Es wird uns fremd vorkommen, eventuell werden wir eine Maske tragen müssen, vielleicht werden wir nicht gemeinsam singen dürfen. Auf jeden Fall müssen wir Abstand halten, auf markierten Plätzen sitzen: ein Radius von 1,50 zwischen uns – aber wir können uns wieder treffen und gemeinsam da sein: Ich bin gespannt, wie das sein wird …

Nein, zum Jubeln ist es nicht – zuviel ist schon geschehen und wir wissen nicht, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Und doch können wir, so denke ich, wird es den meisten von uns gehen, dankbar sein, dass wir in Deutschland bislang von der großen Katastrophe, die die Pandemie verursachen kann, verschont geblieben sind.

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Gerade habe ich das Begleitblatt für die Offene Kirche mit dem Spruch für die kommende Woche geschrieben. Heute Abend wird es in Rhene und Alt Wallmoden ausliegen und wer möchte kann zu den angegebenen Zeiten zu einem stillen Gebet die Kirche besuchen, eine Kerze anzünden, Dank und Bitte vor Gott bringen oder einfach auf die Stille hören.

Jedes Jahr wieder: In Christus, dem Auferstandenen, können wir neu werden. Was wie eine mystische, nur für wenige verständliche Formel wirken mag, kann Wirklichkeit werden, für jeden und jede von uns:

Wie die Bäume jedes Jahr einen neuen Jahresring ansetzen, so entwickelt sich auch unser Leben weiter: wir reifen durch das, was wir erleben – als Kinder und Jugendliche lernen wir dazu, wachsen hinein ins Verstehen der Welt, als Erwachsene bauen wir uns etwas auf, knüpfen neue Beziehungen, machen Fehler, lernen daraus, müssen Abschied nehmen und weiterleben, neue Wege suchen und gehen … Im Glauben haben wir die Chance „in Christus“ neu zu werden, d.h. neu in die Liebe Gottes einzutreten, und zu erfahren wie Gott mich führt und mir neue Lebensmöglichkeiten schenkt und ein neues Miteinander: auch und gerade in Coronazeiten!

Mir fehlen die Konfirmationsgottesdienste: Wie gut tut es, in dieser Frühlingszeit auch die Heranwachsenden zu erleben; die Spannung und Aufregung; die Freude; die großen, schönen Gottesdienste, die gemeinsame Feier des Abendmahls, die Feststimmung. Darauf müssen wir dieses Jahr verzichten; und ich fühle mit den Konfis und ihren Familien. Aber doch: Ihr werdet Gottes Segen bekommen – ihr steht schon jetzt unter seinem besonderen Schutz und dann – wir wissen noch nicht wann und wie, vielleicht in kleinen Gruppen – wird Eure Konfirmation etwas ganz Besonderes sein!

Der Regenbogen – es wird weitergehen! Ich bin bei Euch, sagt uns der Himmel! Daran dürfen wir denken, wenn wir ihn wieder einmal sehen, Gottes Bogen in den Wolken.

Wenn es auch Kraft kostet im Augenblick, die ersten Schritte zu tun. Ich denke an die Schulen, die Schüler und Schülerinnen, die Lehrer und Lehrerinnnen, wie sie sich mit Abstandregeln und Hygienemaßnahmen anfreunden müssen, an die Verunsicherungen und die Unmöglichkeiten … Sie brauchen Geduld und ja, werden Zeit brauchen, und vielleicht auch mal fünf gerade sein lassen müssen.

Gott gab uns Atem, damit wir leben,
er gab uns Augen, dass wir uns sehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben,
dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Mit dieser Liedstrophe wünsche ich Ihnen und Euch, einen gesegneten Sonntag.
Möge Gott Euch behüten und euch trösten und Freude schenken!

 

Ihre und Eure
Pfarrerin Christiane Coordes-Bischoff