Brief aus dem Pfarramt

Was ist möglich, was nicht?
Wer bewirtet muss Maske tragen – auch in der Kirche,
aber draußen singen geht wieder!

Es ist ein Merkmal dieser Coronakrise, dass immer wieder überraschende Wendungen kommen. Ich denke an das Einlegeblatt, das ich der letzten gerade gedruckten Ausgabe beigelegt habe:
Wir mussten alle Termine absagen.
Gerade sind nun neue Handlungsempfehlungen unserer Landeskirche, basierend auf den Lockerungen des Landes Niedersachsen vom 22.6.20 gekommen: Diese besagen, dass die Gemeindehäuser wieder geöffnet werden und sich Kreise und Gruppen wieder treffen können. Also alles wie zuvor?
Wie schön wäre es, wenn sich die Seniorenkreise wieder treffen könnten, Kindergottesdienst und Frauengesprächsgruppe zum Beispiel. Bei allen Aktivitäten, und das zeigt eigentlich erst, dass es nicht ist wie vorher, müssen wir die Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Das heißt sowohl in Oelber als auch in Baddeckenstedt können wir mit Abstand nur 15 bzw. 11 Personen setzen. Zum Thema Kirchenkaffee heißt es zum Beispiel: „Kirch-Café mit Abstand möglich, aber Bewirtung ohne Selbstbedienung. Wer bewirtet muss Maske tragen. Alle Anwesenden müssen dokumentiert werden.“ Wollen wir das?
Eine gute Nachricht ist, dass das Singen draußen wieder möglich ist – Gemeindegesang in der Kirche weiterhin aber nicht. Auch Chorproben draußen sind in voller Stärke erlaubt, mit Abstand untereinander, drinnen jedoch mit höchstens vier Personen, selbstverständlich auch mit Abstand. Das Coronavirus verbreitet sich mithilfe der Aerosole beim lauten Sprechen und Singen über mehrere Meter.
Bei allem gilt: Nicht alles, was wieder erlaubt ist, müssen wir auch tun.
Bei gutem Wetter, darüber werden wir in den Kirchenvorständen entscheiden, können wir nun spontan Gottesdienste nach draußen verlegen – und dort mit Abstand auf Stühlen sitzen, und singen! – Darauf freue ich mich!
Schön finde ich auch die kleinen Angebote für Kinder und Jugendliche in unseren Dörfern, die Mario Riecke anbietet (Seite 15 und 19!). Ich bin mir sicher, dass so mancher bei der Duftrallye oder beim Autokino dabei sein möchte.
Ich persönlich mache, nach Absprache nun auch wieder Besuche in den Häusern, mit Abstand oder auf der Terrasse, wie gestern beim Taufgespräch. Den Eltern, die ihre Kinder taufen wollen, bieten wir Extragottesdienste an, damit die Taufgesellschaft Platz findet in der „Abstandskirche“. Ich freue mich auf die Taufe von Ben in Baddeckenstedt. Es ist die erste in diesem Jahr.
Gerade habe ich entschieden, dass ich nun doch einen Einschulungsgottesdienst mit Abstandsregeln und Anmeldung anbieten werde: am Freitag vor der Einschulung, also am 28. August. Jede zweite Bankreihe kann dann mit einer Familie besetzt werden. Ich bin gespannt!

Gottes Segen für Sie und Euch – in diesem so anderen Sommer!
Ihre Pfarrerin Christiane Coordes-Bischoff

Pfingsten

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!

Es geht langsam wieder los, das Leben erwacht wieder in unseren Kirchen.

Das ist gerade jetzt zu Pfingsten ein Zeichen, das uns Mut machen kann.

Gestern habe ich mich das erste Mal wieder mit meinen Konfirmanden getroffen. Wir waren alle etwas aufgeregt: mit Abstandsregeln passen in unseren Gemeinderaum hier in Baddeckenstedt 11 Personen, das reicht gut für die sieben Jungen und Mädchen aus Baddeckenstedt und Oelber, die 2021 konfirmiert werden wollen. Nächste  bzw. übernächste Woche geht es dann für sie das erste Mal wieder in die Schule. Erst zweimal haben wir uns ja vor der Coronakrise treffen können und so ging es nun weiter mit der Bedeutung des Pfingstfestes und einer Kirchenerkundung unserer St. Paulskirche – mit Maske und Abstand natürlich, aber das war kein Problem, Konfis sind ja flexibel!

Ja, und wir haben nun die ersten Erfahrungen mit den Gottesdiensten gemacht. Die Orgel tut uns gut zwischen den Lesungen und meistens zwei kürzeren Predigtteilen, wir können zusammen beten, den Kirchenraum genießen, manchmal hören wir draußen auch die Vögel zwitschern oder ein Auto vorbeifahren: die Türen stehen ja zur Belüftung offen! Beim Hinein- und Hinausgehen tragen wir den Mund- und Nasenschutz, auf dem Platz kann, wer mag, die Maske auch absetzen. Bisher hat die Anzahl der Sitzplätze ausgereicht: In Baddeckenstedt und Alt Wallmoden haben etwa 24 Personen Platz, in Oelber 18 und in Rhene sind es 10. Eine halbe Stunde ungefähr dauert der Gottesdienst. Herzliche Einladung.

Nun steht das Pfingstwochenende vor der Tür, herrlichstes Wetter ist angesagt und wir denken daran, was wir „eigentlich“ machen wollten. Meine Tochter wollte eigentlich auf ein Festival fahren, nun wird sie die schon gebuchten Tickets zurückschicken und das Geld sparen, aber natürlich auch das Erlebnis mit den Freunden nicht haben. In Westerlinde ist es Brauch am Samstag einen Pfingstbaum aufzustellen, mit Gesang, Bratwurst etc, ein kleines Dorffest – auch das kann nicht stattfinden. Wir sind gespannt, ob am Ende doch der Baum mit dem grünen Kranz, den bunten Bändern und den Wappen der Vereine dastehen wird, direkt vor unserem Pfarrhaus in der Dorfmitte – wir haben so etwas läuten hören. Stattdessen: Grillen in der Familie, ein Tagesausflug in die Umgebung? Was haben Sie, was habt ihr vor?

Vielleicht paßt ja auch ein Gottesdienstbesuch ins Programm.

Es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth! (Sacharja 4,6b), heißt es zum Pfingstfest, dem Geburtstag der Kirche:

Wie die Jünger damals plötzlich, durch Gottes Geist, wieder Mut gefaßt und erzählt haben von der Frohen Botschaft, so wünsche ich auch uns, dass wir neu entdecken, was uns verbindet und dass wir mit Gottes Hilfe die neuen Herausforderungen dieser Zeit angehen und bestehen.

Frohe Pfingsten,

Ihre und Eure Pfarrerin Christiane Coordes-Bischoff

Befreiung!

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!
Zu Beginn der neuen Woche melde ich mich dieses mal. Ja, denn am Wochenende durften wir wieder Gottesdienst feiern! Das war befreiend. Hier könnt Ihr meine Auslegung der Geschichte von der doppelten Befreiung aus der Apostelgeschichte lesen.
Bleiben Sie behütet in dieser fünften Woche nach Ostern!
Ihre und Eure Pfarrerin Christiane Coordes-Bischoff in Baddeckenstedt

Predigt zu Apostelgeschichte 16,23-34
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater und unsrem Herrn und Bruder Jesus Christus!
Amen.
Paulus und Silas werden aus dem Gefängnis befreit,
mit Gottes Hilfe öffnen sich die Türen.
Sie fliehen aber nicht, sondern der Gefängniswärter wird Christ.
Er öffnet nun die Türen seines Hauses, pflegt und bewirtet die Gefangenen.

Eine doppelte Befreiungsgeschichte lesen wir heute als Predigttext in der Apostelgeschichte, liebe Gemeinde, aber dazu später mehr.

Zunächst einmal empfinde ich heute eine große Befreiung darüber, dass wir heute – nach zwei Monaten – wieder Gottesdienst feiern können hier in unserer Kirche. Wir können zusammen kommen!
Das Coronagefängnis, das die Welt immer noch fest im Griff hat, hat sich für die Gottesdienstfeiernde Gemeinde in allen Konfessionen und Religionen in Deutschland gelockert.
Ja, wir Christen in Deutschland haben die – gerade für uns über Karfreitag und Ostern so schmerzlichen Maßnahmen – bewußt und mit Überzeugung mitgetragen. Volle Kirchen, Gemeinde- und Chorgesang, wie es bei der Konfirmation z.B. gewesen wäre, das sind ideale Brutstätten für die Viren und ihre Übertragung. Deshalb sitzen wir heute hier in angemessenem Abstand und im möglichst offenen Raum mit Luftzirkulation.

Was wir in der Apostelgeschichte lesen, klingt geradezu märchenhaft.
Die Missionare Paulus und Silas befinden sich im Gefängnis in Philippi.
In der Nacht beten sie laut und loben Gott. Die Erde bebt, die Türen des Gefängnisses öffnen sich, denn der Befreier kommt!
Wenn Gott kommt, kommen Gerechtigkeit und Freiheit –
das glauben Menschen seit Jahrtausenden
und finden immer wieder Bilder und Geschichten,
die diese Erfahrungen ausdrücken.
Erdbeben, Meeresbrausen, dass kann furchtbar sein, aber auch im Dienst der Befreiung:
„Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen … vor dem Herrn, denn er kommt den Erdkreis zu richten mit Gerechtigkeit.“, so heißt es im Psalm 98 für diesen Sonntag.
In der wunderhaften Erzählung, die uns in der Apostelgeschichte des Lukas überliefert ist, öffnen sich durch das Erdbeben nicht nur die Gefängnistüren für die Eingesperrten. Auch der Wärter des Gefängnisses wird befreit.
Ihn überfällt große Angst, er muss vermuten, dass alle Gefangenen geflohen sind. Ihn erwarten schlimme Strafen, er hat versagt, er steht unter Schock, ist blind vor Verzweiflung und sieht keinen Ausweg mehr. Er nimmt sein Schwert und will sich selbst töten.
Es ist nur ein kurzer Satz in dieser Erzählung. Der Aufseher steht vor einer Kurzschlusshandlung, wie in geistiger Umnachtung. Aber auch hier gelangt Licht in die Dunkelheit: „Tu dir nichts an, denn wir sind alle hier!“ ruft Paulus ihm zu. Nun wird Licht gemacht und der Aufseher weiß plötzlich, dass es einen Ausweg gibt aus dem Gefängnis seiner Angst:
„Was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“ fragt er.
Durch dieses Erlebnis aufgerüttelt, weiß der „Vollzugsbeamte“ würden wir heute sagen, dass er den falschen Herren gedient hat.
Zeit seines Berufslebens hat er blind gehorcht, er hat die Strafen vollzogen, die der Stadtrichter verhängt hat – ohne darüber nachzudenken.
Nun begegnet er Menschen, die nicht handeln wie gewöhnliche Straftäter.
Sie sehen in ihm nicht den Aufseher, der sie eingesperrt hat.
Sie fliehen nicht sobald die Tür auf ist.
Sie verfolgen nicht nur ihre eigene Freiheit.
Paulus merkt, dass da jemand in einem ganz finsteren Loch steckt.
Die Begegnung mit den Christen Paulus und Silas öffnet dem Vollzugsbeamten die Augen. Er will nun raus aus dem Gefängnis der Angst, dem Druck von Befehl und Pflichtgehorsam.
„Was muss ich tun, dass ich gerettet werde, dass ich frei werde wie ihr?“
Aber nein, der Vollzugsbeamte muss nichts tun – hier geht es nicht mehr um Tun und Ergehen, um Gehorsam und Belohnung, Versagen und Strafe.
Hier muss niemand etwas tun.
„Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!“ sagt ihm Paulus. Dies ist ein anderer, ein neuer Herr. Ein Herr der nichts fordert.
Dies ist jemand, der einlädt, zu vertrauen.
Denn dieser Jesus hat schon alles getan,
für diesen besonderen Gefangenen wie für uns alle, die wir uns auch immer wieder einsperren lassen in Mauern aus Angst und Druck:
Er hat eine Generalamnestie erlassen für uns. Die Befreiung aus Angst und Dunkelheit ist schon längst geschehen.

Auch diese Befreiungstat gleicht einem Erdbeben, so beschreibt es Matthäus. Jesus stirbt am Kreuz, der Vorhang im Tempel zerreißt in zwei Stücke von oben bis unten und die Erde erbebte …
Durch Christus sind wir als Getaufte, als Christen ein für alle Mal befreit – und keine Macht der Welt kann uns diese Freiheit wieder nehmen. Diese Freiheit kommt aus Gottes unbegreiflicher Liebe heraus – und deshalb, daran ist sie zu erkennen: führt sie zu Menschlichkeit und Gerechtigkeit.
Mit dieser Freiheit im Herzen und in den Händen, bekommen wir Augen für das Geschenk der äußeren Freiheit, die wir haben:
Ich denke an den 8. Mai: Vor 75 Jahren wurde Deutschland befreit vom NS-Regime, von einem unmenschlichen, rassistischen System. Deutschland und die Welt wurde befreit vom Krieg, der über 60 Millionen Opfer gefordert hat.
„Das bricht uns immer noch das Herz,“ hat Bundespräsident Steinmeyer am Freitag in Berlin am Gedenkort gesagt, dort wo die von Käthe Kollwitz geschaffene Skulptur der weinenden Mutter aufgestellt ist.
„… und wir können Deutschland immer nur mit gebrochenem Herzen lieben.“ Ja, denn die Freiheit und Mitmenschlichkeit wurden in dieser Zeit mit Füßen getreten.
Der Tag der Befreiung 2020, in der Coronakrise, vielleicht kann er uns auch bewußt machen, dass wir bei aller – aus Gründen der Mitmenschlichkeit – notwendigen Einschränkungen, doch frei sind!

Was tut der befreite Gefängnisaufseher:
Er läßt sich Gottes Wort sagen, er nimmt die Gefangenen in seinem Haus auf, er reinigt ihre Wunden, die sie sich durch die harten Fesseln zugezogen haben. Er läßt sich und seine Familie taufen und dann „führte er sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war.“
So trägt das Vertrauen in den Weg Jesu Früchte, einfach so, ohne Angst:
Türen tun sich auf, Wunden heilen und ein neues Miteinander entsteht.
Geradezu „mütterliche“ Züge entwickelt dieser neue Christ, mütterlich frei!

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen

Regenbogen als Himmelszeichen

Westerlinde, den 2.5.2020

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde!

Jubilate, „Jubelt!“, fordert uns dieser Sonntag auf. In Erstaunen versetzt hat mich gestern gegen Abend ein strahlender Regenbogen, der sich wirklich ganz über den Himmel erstreckt hat. Das von mir gemachte Foto kann es nicht wiedergeben. Dunkle Wolken über dem Innerstetal, ich saß im Auto neben meinem Mann, wir kamen aus Richtung Hannover und fuhren noch in der Sonne. Wie eine Demonstration des Himmels an diesem besonderen ersten Mai.

„Solange die Erde steht, soll nicht aufhören, Saat und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht!“ sagt Gott nach der Sintflut zu Noah, nachdem die Geretteten die Arche verlassen dürfen (1.Mose 8,22) und dann setzt Gott seinen Bogen in den Himmel. Ich denke an das frische Grün, das wir bei unserem Waldspaziergang genossen haben und an die nun nach dem Regen kraftstrotzenden Getreidefelder. Ja, der Frühling ist da und vertreibt zum Glück die allzu pessimistischen Gedanken. Wir werden wieder Gottesdienste in unseren Kirchen feiern dürfen, vielleicht schon in einer Woche, die ersten Bundesländer und Kommunen haben schon diesen Sonntag freigegeben. Es wird uns fremd vorkommen, eventuell werden wir eine Maske tragen müssen, vielleicht werden wir nicht gemeinsam singen dürfen. Auf jeden Fall müssen wir Abstand halten, auf markierten Plätzen sitzen: ein Radius von 1,50 zwischen uns – aber wir können uns wieder treffen und gemeinsam da sein: Ich bin gespannt, wie das sein wird …

Nein, zum Jubeln ist es nicht – zuviel ist schon geschehen und wir wissen nicht, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Und doch können wir, so denke ich, wird es den meisten von uns gehen, dankbar sein, dass wir in Deutschland bislang von der großen Katastrophe, die die Pandemie verursachen kann, verschont geblieben sind.

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Gerade habe ich das Begleitblatt für die Offene Kirche mit dem Spruch für die kommende Woche geschrieben. Heute Abend wird es in Rhene und Alt Wallmoden ausliegen und wer möchte kann zu den angegebenen Zeiten zu einem stillen Gebet die Kirche besuchen, eine Kerze anzünden, Dank und Bitte vor Gott bringen oder einfach auf die Stille hören.

Jedes Jahr wieder: In Christus, dem Auferstandenen, können wir neu werden. Was wie eine mystische, nur für wenige verständliche Formel wirken mag, kann Wirklichkeit werden, für jeden und jede von uns:

Wie die Bäume jedes Jahr einen neuen Jahresring ansetzen, so entwickelt sich auch unser Leben weiter: wir reifen durch das, was wir erleben – als Kinder und Jugendliche lernen wir dazu, wachsen hinein ins Verstehen der Welt, als Erwachsene bauen wir uns etwas auf, knüpfen neue Beziehungen, machen Fehler, lernen daraus, müssen Abschied nehmen und weiterleben, neue Wege suchen und gehen … Im Glauben haben wir die Chance „in Christus“ neu zu werden, d.h. neu in die Liebe Gottes einzutreten, und zu erfahren wie Gott mich führt und mir neue Lebensmöglichkeiten schenkt und ein neues Miteinander: auch und gerade in Coronazeiten!

Mir fehlen die Konfirmationsgottesdienste: Wie gut tut es, in dieser Frühlingszeit auch die Heranwachsenden zu erleben; die Spannung und Aufregung; die Freude; die großen, schönen Gottesdienste, die gemeinsame Feier des Abendmahls, die Feststimmung. Darauf müssen wir dieses Jahr verzichten; und ich fühle mit den Konfis und ihren Familien. Aber doch: Ihr werdet Gottes Segen bekommen – ihr steht schon jetzt unter seinem besonderen Schutz und dann – wir wissen noch nicht wann und wie, vielleicht in kleinen Gruppen – wird Eure Konfirmation etwas ganz Besonderes sein!

Der Regenbogen – es wird weitergehen! Ich bin bei Euch, sagt uns der Himmel! Daran dürfen wir denken, wenn wir ihn wieder einmal sehen, Gottes Bogen in den Wolken.

Wenn es auch Kraft kostet im Augenblick, die ersten Schritte zu tun. Ich denke an die Schulen, die Schüler und Schülerinnen, die Lehrer und Lehrerinnnen, wie sie sich mit Abstandregeln und Hygienemaßnahmen anfreunden müssen, an die Verunsicherungen und die Unmöglichkeiten … Sie brauchen Geduld und ja, werden Zeit brauchen, und vielleicht auch mal fünf gerade sein lassen müssen.

Gott gab uns Atem, damit wir leben,
er gab uns Augen, dass wir uns sehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben,
dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Mit dieser Liedstrophe wünsche ich Ihnen und Euch, einen gesegneten Sonntag.
Möge Gott Euch behüten und euch trösten und Freude schenken!

 

Ihre und Eure
Pfarrerin Christiane Coordes-Bischoff

Andacht am 24. April 2020

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser und Leserinnen!

Wieder geht eine Woche mit Kontaktverbot zu Ende, ab Montag haben wir auch hier in Niedersachsen die Mundschutzpflicht in Geschäften. Ich habe heute in der hiesigen Gärtnerei schon mal geübt. Nein, schön ist es nicht, das Gesicht zu verbergen und auch vom Gegenüber nicht das Lächeln oder die Traurigkeit in der Mimik zu erkennen. Bei einem nötigen Krankenbesuch verstand mich die Kranke aus 2m Entfernung mit dem Mundschutz nicht …, aber was hilft es, wir müssen uns wohl daran gewöhnen.

Mich hat diese Woche ein Satz aus dem Evangelium des vergangenen Sonntags begleitet. Da sagt Jesus, der Auferstandene zu Thomas, dem Zweifler: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Aber selig sind die nicht sehen und doch glauben.“ (Johannes 20, 19-29) Ich durfte gestern im Innenhof des Seniorenheims eine Andacht draußen halten und wie froh waren wir, dass wir uns nach vielen Wochen wieder einmal sehen konnten – nein, natürlich mit Abstand und selbstverständlich haben wir uns nicht die Hand gegeben. Das ist sehr schade, denn gerade über die Berührung entsteht doch Nähe und ich kann etwas ausdrücken, was mit Worten nicht geht. „Selig sind die nicht sehen und doch glauben.“ Vertrauen ist das wichtigste: dass ich weiß, auch wenn ich meine Angehörigen im Moment nicht treffen kann, wenn ich meinen Sohn zum Geburtstag nicht in die Arme nehmen kann: Ich denke an dich, ich hab dich lieb. „Ich schick dir eine „Luftumarmung“, sagt die sechsjährige Enkeltochter ihrer Oma – der Besuch mit Distanz ist gerade für die Kleinen schwer zu begreifen. „Ich schick dir eine Luftumarmung.“ Da hat sie ein Wort gefunden, dass die Seele streichelt und der Oma ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Nein, auch in der österlichen Andacht im Sonnenlicht im Seniorenheim haben wir den Auferstandenen nicht gesehen; und wie Thomas waren wir zwischendurch voll Angst und Zweifel. Denn gerade in dieser halben Stunde geschah unmittelbar neben uns auf der Straße unseren Blicken entzogen ein Verkehrsunfall, der uns erschrocken hat. Als die aus dem Gottesdienst dorthin eilenden Pflegerinnen zurückkamen mit der Botschaft: die Verletzte ist ansprechbar, da waren wir erleichtert … und ja, war nicht der Auferstandene tatsächlich hier in Oelber, wie ich es in der Predigt gesagt habe, schützend, helfend? „Friede sei mit Euch!“ sagte er den versammelten Jüngern. Und ja, das wünsche ich uns auch für dieses Wochenende und die Entwicklungen in der kommenden Woche: Dass wir bei allem den Frieden nicht verlieren und Gott uns auch weiterhin Geduld und Zuversicht schenkt.

Ja, und vielleicht haben Sie ja Zeit und das Bedürfnis für ein Gebet in unserer Kirche. In Baddeckenstedt werden wir morgen, am Sonnabend, den 25.4.2020 um 18.00 Uhr die Kirche für eine Stunde geöffnet haben. Ich werde auch da sein und freue mich auf ein Gespräch – selbstverständlich mit vorgeschriebenem Abstand – vor der Kirchentür, ebenso am Sonntag, den 26.4.2020 um 10.00 Uhr. Dies sind die geplanten Gottesdienstzeiten für dieses Wochenende. Eigentlich wollten wir eine Rüstandacht und die Konfirmation feiern …. Nun öffnen wir wenigstens unser Gotteshaus.

In Ringelheim, meiner Vakanzgemeinde, öffnet Carmen Jerke, die Küsterin, die Kirche um 17.00 Uhr am Sonnabend.

Bleiben Sie behütet!

Ihre und Eure Pfarrerin Christiane Coordes-BischoffWo