Ostern klingt nach – Erfahrungen mit dem so anderen Fest

1. Sonntag nach Ostern, den 19.4.2020

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Leser und Leserinnen im Internet!

Heute ist der erste Sonntag nach Ostern,  „Quasimodogeniti“ = wie die neugeborenen Kindlein, heißt er und erinnert an das neue Leben, das uns durch die Auferstehung Christi geschenkt ist. Wir befinden uns in der 50-tägigen Osterzeit, die bis zum Pfingstfest geht. Für mich persönlich hat das Osterfest dieses Jahr zwar stattgefunden, aber irgendwie kommt es mir so vor, als wäre ich in diesem Jahr nicht wirklich dabei gewesen. Er ist auferstanden, ja, aber er ist noch nicht wirklich bei mir angekommen, der Lebendige.

Deshalb ist es für mich in der vergangenen Woche wichtig gewesen, die Ostertage nachklingen zu lassen, in Telefonaten zu hören, wie andere diese Zeit verbracht haben – und auch selber diese so besonderen Erfahrungen auf mich wirken zu lassen. Also bin ich am Dienstag noch einmal in die Westerlinder Kirche gegangen, dort, wo ich am Ostersonntag saß und die Stille, die Sonne, den Raum und die Atmosphäre aufgenommen habe.

In einem Osterbrief hatte mein Mann, Matthias, die Gemeinde eingeladen, zu Hause das Osterevangelium zu lesen:

Am Ostersonntag wird in allen evangelischen und katholischen Kirchen um 12 Uhr mit allen Glocken geläutet. Ich lade sie alle ein, beim Hören auf die Glocken zunächst das Osterevangelium zu lesen, dass ich ihnen hier abgedruckt habe. Es wäre doch eine wahrliche Stärkung, zu wissen, dass die Botschaft von der Auferstehung zeitgleich in so vielen Häusern unserer Dörfer verkündet wird. Danach können Sie die Andacht eben zu diesem Text lesen und das Gebet.

Osterevangelium nach Markus 16,1-8:Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war, denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemanden etwas, denn sie fürchteten sich.“

Nach dem Lesen rufen wir alle aus: Christus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!

Andacht: Ostern – das Fest der Freude. In diesem Jahr mit dem Corona – Vorzeichen, aber Ostern ist Ostern, das wollen wir uns nicht nehmen lassen. In dem „Christus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden“ – da klingt noch „das darf doch nicht wahr sein“ der Frauen mit, die voller Furcht und Angst zunächst vom Felsengrab flüchten. Ja, das darf doch nicht wahr sein!! Ein eigenartiges Osterfest, wo wir nicht gemeinsam zunächst in den Kirchen und dann in den Großfamilien feiern können. Die Autobahnen sind leer, genauso die Strände an Nord- und Ostsee. Wir alle sind aufgerufen zu Hause zu bleiben, zum Schutz von uns allen. Wir denken an all die Berufsgruppen, die vor Ostern und an Ostern für die Allgemeinheit arbeiteten und arbeiten: bei der Feuerwehr, Polizei, in den Krankenhäusern die Ärztinnen und Pfleger, die Pflegedienste, die Apotheker, die Verkäuferinnen an den Kassen von Supermärkten und Tankstellen, den Landwirten, den Kraftfahrern … . Ich denke an die Politiker und Politikerinnen, die noch nie in ihrem Leben solche Entscheidungen treffen mussten, die unmittelbar solche Auswirkungen auf Leib und Leben von Millionen von Menschen haben. Da kann man das Evangelium ruhig zitieren „sie entsetzten sich“!! Das trifft doch auf uns alle zu: Osterfreude unter dem Eindruck des Entsetzens, Osterfreude bei Sprachlosigkeit, weil einfach das Gegenüber fehlt. Machtloses Kopfschütteln, weil die Zahl der Infizierten weltweit und auch bei uns so unheimlich schnell steigt. Die Sprachlosigkeit und das Kopfschütteln brauchen wir nicht überspielen. Wir brauchen uns auch wegen unserer Angst und dem Unbehagen nicht schämen. Wir können dazu stehen und auf den ältesten Osterbericht der Evangelien hören. Ich denke wir können eine große Nähe von uns zu den drei Frauen entdecken. Sie waren am Karfreitag dabei gewesen. Sie haben die Verzweiflung und den Schmerz Jesu auch bei sich selber verspürt. Auch sie hatten Angst, Todesangst bis ins Mark. Die drei sind anders als die Jünger nicht geflohen, sind bei Jesus geblieben. —- Und nun am dritten Tag morgens bei Sonnenaufgang sind die drei Frauen unterwegs. Und es stimmt: Ostern hat auch etwas mit „Osten“ zu tun. In der Stunde der Morgenröte, eben zu der Stunde, wo die Nacht zum Tag wird, wo sich dieses rosenfarbene Licht um die Welt legt, auch auf die Gräber, das zerstörte Leben, die Trümmerfelder des Alltags, da geschieht Ostern. Die Frauen wollten Jesus ein Zeichen ihrer Liebe schenken. Doch es ist, als ob ein Stein zentnerschwer auf den Herzen liegt. Sie kommen zum Grab und alles war anders als erwartet. Ein himmlischer Bote blendet sie, ihre Erfahrungen erscheinen in einem anderen, neuen Licht. Und die Angst ist wieder da, die schon die Hirten auf dem Feld bei Bethlehem hatten. Sie finden keine Worte mehr. Was sie sehen und hören übersteigt ihre Erfahrungswelt. Doch zugleich werden ihre Augen und Ohren für den Blick auf die neue Wirklichkeit geöffnet. Sie erfahren: Gott zeigt einen Ausweg, wo ihre Welt am Ende schien.  ——– Ihre Begegnung im offenen Grab endet mit Zittern, Furcht, Entsetzen und Sprachlosigkeit. Doch ihre Ostergeschichte hat eine Fortsetzung, denn mit Ostern ist allem Entsetzten, aller Sprachlosigkeit ein Gegenmittel erwachsen. Sie werden die entsetzliche Geschichte den Jüngern dann doch erzählt haben. Und zusammen brechen sie nach Galiläa auf. Die drei Frauen sind uns allen sehr nah. Sie kennen die Probleme, die Beschwernisse, die das Herz und die Seele schwermachen. Ihre Flucht vom Grab ist letztlich eine Flucht in die Arme ihres Herrn Jesus Christus gewesen. Doch der Weg nach Galiläa war lang, sehr lang. Und so wissen wir, dass wir die bedrückenden Fragen unserer Tage nicht ablegen können. Sorgen, Zweifel, Angst, Erschrecken, Trauer können wir getrost als Gepäck mitnehmen, wenn wir uns entschließen, ähnlich wie die drei Frauen nach Ostern, den Weg einzuschlagen, der zur Begegnung mit dem Auferstandenen führt. Die Frauen und die Jünger wurden frei von ihrer Angst und konnten das Evangelium = die frohe Botschaft bekennen. Auch für uns ist das möglich. Ich wünsche mir, dass wir mit leichtem Herzen bekennen: DER HERR IST AUFERSTANDEN!! – Deswegen wünsche ich Ihnen ein „Frohes Osterfest 2020“!      Amen. ——— Ihr Pfarrer Matthias Bischoff

Gebet: Du Licht der Welt – wir loben dich: Halleluja! Erleuchte die Menschen deiner Kirche und mache alle zu glaubwürdigen Boten der Auferstehung. Du Trost der Welt – wir loben dich: Halleluja! Tröste die Traurigen und Ängstlichen. Schenke ihnen die österliche Freude. Du Leben der Welt – wir loben dich: Halleluja! Richte auf, die von Tod und Trauer betroffen sind. Du Brot des Lebens – wir loben dich: Halleluja! Sättige die Hungernden in Nah und Fern. Schaffe Gerechtig-keit den Armen. Du Hirte und König – wir loben dich: Halleluja! Bewege die Mächtigen. Lenke sie durch dein Wort. Du unser Friede – wir loben dich: Halleluja! Schaffe dir Raum in deiner Welt – in uns und durch uns. Du Ziel unserer Sehnsucht – wir loben dich: Halleluja! Erlöse uns, befreie uns, eine uns. Bleibe alle Tage bei uns, bis an der Welt Ende.  —- Amen.

In den anderen 11 Gemeinden, die Matthias und ich zur Zeit betreuen, in Burgdorf, Hohenassel und Nordassel, in Osterlinde, Wartjenstedt und Binder, in Rhene, Oelber a.w.Wege, Baddeckenstedt, Ringelheim und Alt Wallmoden öffneten Küster/innen oder Kirchenvorsteher/innen die Kirche ab 11.00 Uhr für ein stilles Gebet und lasen das Osterevangelium.

„Das war etwas ganz Besonderes für mich, für eine Viertelstunde in der Kirche zu sitzen, allein, die Sonne fiel durch die bunten Glasfenster, meine Gedanken schweifen zu lassen – da war so ein Gefühl von Geborgenheit …“, erzählte mir eine junge Frau aus Rhene. „Dann kam der Küster mit seiner Familie und ich habe das Osterevangelium gehört; ganz eigen und anders, aber schön und tröstlich.“

„Wir haben uns einen schönen Ort gesucht und mit den Freunden, mit denen wir zusammen wohnen haben wir uns einen Gottesdienst aus dem Stefansdom angesehen.  Am Nachmittag haben wir uns im Wald getroffen, mit unseren erwachsenen Kindern und den Enkeln und in gebührendem Abstand miteinander ein Picknick gemacht.“

„Wir haben mit den Kindern zusammen am Samstagabend ein Feuer im Feuerkorb im Garten gemacht.“

Erfahrungen an Ostern ….

Ich sehe die Osterkerze vor mir, sie ist schon etwas klein, noch vom letzten Jahr, aber sie brennt. „Ich höre noch immer Matthias´ Stimme in der dunklen Kirche: „Christus ist das Licht“ … als meine Schwiegereltern noch mobil waren, kamen sie morgens zum Osterfrühgottesdienst in die Kirche …, jetzt, mit Kontaktverbot haben wir an Ostern telefoniert.

Die Osterkerze mit der blauen Weltkugel und den goldfarbenen Kontinenten: Christus ist das Licht. Das Licht der Sonne, so still, durch die offene Kirchentür dringt Vogelgezwitscher an mein Ohr. Ich sitze in der ersten Reihe, ich habe meine Gitarre mitgenommen und das Gesangbuch mit den Akkorden. Ich möchte singen – ja – vielleicht allein in der Kirche. Matthias sitzt draußen vor der Tür, um, falls jemand kommt, auf die Abstandsregeln hinzuweisen und – auf Distanz – zum Gespräch dazusein. Frau S. kommt in die Kirche „Frohe Ostern“, sie setzt sich in die Mitte der Kirche. Stille.

Nach einer Weile blättere ich in meinem Gesangbuch „Wir wollen alle fröhlich sein, in dieser österlichen Zeit.“ Ich traue mich und fange an zu singen, Frau S. hinter mir stimmt mit ein. Stille – Gesang – Stille. Für kurze Zeit kommt ein Konfirmand dazu. Er grüßt und nach ein paar Minuten verabschiedet er sich wieder. „Danke“, sagt Frau S. und geht lächelnd hinaus.

Um kurz vor 12.00 lese ich uns das Osterevangelium, Matthias sitzt in der Mitte der Kirche rechts, links sitzt Detlev, der Mann unserer Küsterin. „Uns sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich“. Ich mache eine Pause nach diesem letzten Satz. Mein Mann nickt mir zu, Ja, der Ostergruß, „Der Herr ist auferstanden!“ ich spreche die Worte in den Raum hinein, schaue die beiden Zuhörer an. Und sie antworten: „Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Ich gehe auf meinen Platz zurück, 116, sage ich, mein Mann holt für Detlev und sich Gesangbücher und wir singen das Osterlied aus Tansania.

Als wir den Weg zurück ins Pfarrhaus gehen, sagen wir zueinander:  Das war jetzt gut, das hat uns gutgetan, nach diesen Wochen.

Nun geht es in eine neue Zeit, wie sie aussehen wird, wissen wir noch nicht. Wir müssen weiter Abstand halten, auch in unseren Kirchen Abstands- und Hygieneregeln lernen und umsetzen …

und das Beten nicht vergessen: Für die Kranken und die Ärzte und Pfleger/innen bei uns und überall auf der Welt, für die, die um ihre Existenzen fürchten, für die Politiker/innen, für die Wissenschaftler/innen, für die Kinder und ihre Eltern, die Lehrer/innen, die Erzieher/innen, die Ungeduldigen und die Engagierten,  für die Trauernden und für die Sterbenden und für uns selber, dass wir jeden Tag mit seinen Freuden und seinen Herausforderungen neu leben und annehmen.

Ich wünsche Ihnen und Euch einen gesegneten Sonntag heute mit dem Spruch für diese neue Woche:

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1.Petrus 1,3)

Ihre Pfarrerin Christiane Coordes-Bischoff

Ostern

„Christ ist erstanden von der Marter alle, des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.“
Evangelisches Gesangbuch Lied 99

Dieses Lied hätten manche von uns am Ostersonntag in der Kirche gesungen. Ob in der Osternacht oder am Ostermorgen, es bringt unsere Hoffnung, die wir Ostern feiern auf den Punkt. Jesus ist nicht in seinem Grab geblieben, sondern er ist auferstanden. Der Tod ist durchbrochen.

Mit der Vernunft ist es kaum zu begreifen und beweisen lässt es sich auch nicht. Aber ich denke, das brauchen wir auch nicht. Glaube ist doch kein „für wahr“ halten, sondern eine persönliche Erfahrung, die uns stärkt, uns tröstet, uns Orientierung gibt und auch unser Handeln mit bestimmt. Und das ist auch die Botschaft von Ostern.

An den Berichten der Evangelien erkennen wir, dass die Jüngerinnen und Jünger Jesu verändert werden. Aus der Trauer und der Angst wird ein hoffnungsvoller Aufbruch. Weil sie darauf vertrauen, dass das, was Jesus ihnen erzählte, stimmt, und uns die Liebe Gottes immer begleitet. Die Leiden Jesu, das Kreuz und sein Tod können diese Zusage Gottes nicht aufheben.

Das gilt für mich nicht nur im Blick auf den Tod und unsere damit verbundene Hoffnung auf Auferstehung. Nein in allen Situationen, auch der gegenwärtigen Coronakrise, hilft mir das Vertrauen auf Gottes Liebe, die uns Menschen gilt.

Sicherlich werden viele von uns die Bedrohung durch den Virus gespürt haben. Auch wenn wir selbst hoffentlich von einer Erkrankung verschont blieben, so haben wir doch erfahren, wie schnell sich unser Leben ändern kann. Hier meine ich nicht nur die sozialen Kontakte, die soweit es ging, eingestellt werden sollten. Nein ich denke auch an die Unsicherheit mit dem Arbeitsplatz oder noch weiter gedacht mit der perönlichen Situation. Die Auswirkungen sind in vielen Bereichen spürbar und vieles, was kommen wird, ist noch nicht absehbar.

Lasst uns darauf vertrauen, dass Gott uns nicht allein lässt. Diesen Satz verstehe ich nicht als einen Auftrag an uns. Sondern der christliche Glaube ist immer ein Angebot für uns. Viele Menschen haben dieses erfahren. Begonnen hat es mit den Jüngern. Es folgten ihnen viele Weitere und so bildeten sich die ersten Gemeinden. Bis in unsere Zeit hinein spüren wir die Hilfe Gottes im Glauben.

Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat dieses Vertrauen auf Gott in einem beeindruckenden Glaubensbekenntnis ausgedrückt. Für mich ist in diesen Worten die Hoffnung des Osterfestes enthalten. Gegen alle Erfahrungen, die uns ängstlich und unsicher machen, steht die Zusage Gottes, dass seine Liebe, die in Jesus deutlich wurde, uns trägt.

So wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Fest.

Andreas Ohm

GLAUBENSBEKENNTNIS

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, dass Gott in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste die Angst vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.
Amen
Dietrich Bonhoeffer

GEBET
Lieber Gott, du scheinst uns oft weit weg, wir fühlen uns allein gelassen.
Doch die Auferstehung Jesu und der neue Mut der Jünger zeigen uns: DU bist da für uns.
Wir bitten, lass uns diese Veränderung erfahren und auf Deine Liebe zu uns vertrauen. Amen

Karsamstag

Noch schnell die letzten Einkäufe erledigen, das Haus noch mal putzen, den Garten klar machen, etwas vorkochen für das Osterfest, so oder so ähnlich sahen die Samstage vor Ostern für viele Menschen in unserer Gegend aus. Nach dem Karfreitag, ein wenig Alltag und dann hinein in die zwei Festtage.

In diesem Jahr wird es vermutlich nicht so sein, wie es seit vielen Jahren teil unseres österlichen Lebens gewesen ist. Einkaufen vielleicht, aber ansonsten ist Ruhe angesagt.

Wir sind mittendrin im Verzichtsgeschehen der Coronazeit. Das Virus hat uns in der Hand, es treibt zu gesellschaftlichen Entscheidungen, die niemand bisher so erlebt hat.

Und was ist morgen? Was ist wenn der Spuk vorbei ist? Wenn wir diese Pandemie überstanden haben? Viele sind ratlos, manche sehr sorgenvoll, andere treiben regelrechte Zukunftsängste um.
Karsamstag.

Für die Menschen rund um Jesus war das von der Stimmung her eine ganz ähnliche Zeit. Sie hatten ihr Leben diesem Menschen und seiner Botschaft verschrieben. All das, was er so sagte und tat, das bestimmte das Leben und so sollte es auch weitergehen.

Und jetzt ist er tot. Gekreuzigt. Und mit ihm sind alle Hoffnungen, alle guten Gedanken dahin. Alle vorweitstreibende Kraft mit den Hammerschlägen auf Golgata zunichte. Aus, Ende, vorbei.

Wir Freunde Jesu leben noch – wenn auch in Angst, dass es auch uns erwischen könnte – aber wie soll es weitergehen? Was kommt da auf uns zu?

Der Karsamstag steht für mich für die Zwischenzeiten, in denen das Leben unklar ist. Ein Ereignis ergreift uns. Jetzt ist nichts mehr zu ändern. Und die zukunftsweisenden Gedanken fehlen noch. Lähmung, Stillstand, Ungewissheit. Es bleibt nichts weiter als auszuhalten. Wir müssen in diesen Zeiten die Ungewissheit tragen. Wir können jetzt noch nicht abschätzen, wie das Leben weiter geht.

Aber im Gegensatz zu den Wegbegleitern Jesu haben wir es besser. Das erste Ostern liegt hinter uns. Wir wissen um die Kra ft Gottes auch in den Zeiten des Endes, in den Zeiten grundlegender Veränderung des Lebens. Und Ostern liegt vor uns – als Fest, aber auch als Glaubenshoffnung für die Zeit nach der Corona-Pandemie.

Am Karsamstag schweigen vielfach die Glocken. Darum wird dieser Tag auch „stiller Samstag“ genannt.
Wir wollen jetzt eigentlich keine Stille. Wir wollen gesellschafliches Leben, wollen gemeinsam die Ostertradionen feiern, den fröhlichen Osterspaziergang der Familie unternehmen. Doch da wird wohl nichts draus. Normales Leben wird vermutlich noch dauern.

Halten wir diese Zeit aus.

Wir können das, weil unsere Hofnung einen Grund hat:
Ostern – Den Sieg des Lebens über den Tod.

Jürgen Grote

LIED-GEDANKEN

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.
1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott.
2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott.
3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott.
4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bittten wir. Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott.
Text: Anne Quingley 1972 – dt. Eugen Eckert 1986

GEBET

Gott, unser Leben hat sich verändert. Alle Gewohnheiten angetastet. Wir leben stiller als früher.
Lass dich vernehmen in dieser Stille. Gib uns die Kraft zum Aushalten aller Ungewissheit.
Und wenn es weiter geht, führe uns auf gute Wege miteinander, zueinander in der Kraft deines heiligen Geistes.
Amen

Karfreitag

„Karfreitag ist der höchste Feiertag“, so habe ich es als Kind gelernt. An diesem Tag stand für mich die Welt einen Tag still. Der Karfreitag hatte etwas bedrückendes. Alle Geschäfte, Kinos, Kneipen geschlossen, Tanz-und Versammlungsverbot. Nicht einmal Freunde durfte man treffen, nicht einmal gemeinsam still sein – gemeinsam lachen schon gar nicht. Der Karfreitag meiner Kindheit war Stille.

Warum ist so ein bedrückender Tag der „höchste Feiertag der Christen“ habe ich mich damals immer gefragt?

Seit Wochen erleben wir diese bedrückende Karfreitagsstimmung. Alle Geschäfte, Kinos, Kneipen geschlossen, Tanz-und Versammlungsverbot. Nicht einmal Freunde darf man treffen. Keine Gottesdienste in unseren Kirchen.

Karfreitag – gekreuzigt – gestorben – begraben.

Jesus ruft am Kreuz „Mein Gott , mein Gott , warum hast du mich verlassen?“ Wer so schreit fühlt sich alleingelassen.
Wer kann ermessen, wie tief menschliches Leid geht? Jesus am Kreuz kann es und ist uns dadurch nahe in unserem eigenen Leid. Hilflos und voller Angst sehen wir, wie die Welt zur Zeit den Atem anhält.
Mit dem Karfreitag verknüpft sich die Frage nach der Gegenwart Gottes im Leid dieser Welt. Wir fragen dann: Gott , warum lässt du dieses Leid zu? Es gibt keine direkte Antwort. Im Kreuz steckt ein Antwort-Versuch: Das Kreuz verbindet Himmel und Erde – Gott und uns Menschen. Gott steht nicht neben dem Leid und auch nicht über dem Leid, Gott steht mitten drin. Durch seinen Sohn, unseren Bruder, der selbst durch dieses Leid der Welt geht.

Jesus ist am Kreuz nicht gescheitert, er hat die Sonne des Ostermorgens als erster aufgehen sehen. So wie Salvador Dali das in seinem Bild des Gekreuzigten darstellt.

Aus dieser Perspektive – aus dem Blickwinkel Gottes – sieht man, wie auf der Erde wieder die Sonne aufgeht.
Ist der Karfreitag der höchste Feiertag, wie ich es als Kind gelernt habe? Dieser traurige Tag ?
Als Konfirmandin wurde dieses düstere Empfinden des Karfreitags noch verstärkt. Der Gottesdienst war völlig anders als sonst. Keine Glocken, keine Orgel, keine Liturgie. Nur an diesem Tag im Jahr wurde in unserer Gemeinde Abendmahl gefeiert.
Ein Mitkonfirmand kippte Karfreitag in der Kirche um, da ihn das Leiden Jesu am Kreuz so sehr berührt hat. Er musste später sogar zu Hause konfirmiert werden, weil er jedes Mal umkippte, wenn er in der Kirche Jesus am Kreuz sah. Mein Mitkonfirmand schaute immer angstvoll von unten zum Kreuz hinauf. Salvador Dali lässt uns das Leid am Kreuz für einen Moment ausblenden. Der Anblick ist friedlich – erfüllt – vollendet.
Heute ist Karfreitag „ein hoher Feiertag“ aber nicht der höchste Feiertag.
Karfreitag mutet uns zu, den Augenblick der Traurigkeit über Gott und die Welt zuzulassen und anzunehmen – in der Gewissheit, dass das Kreuz nicht das Ende ist.

Uta Bartels

LIED-GEDANKEN

1) Dieses Kreuz, vor dem wir stehen, setzt ein Zeichen in die Welt, dass sich, auch wenn wir’s nicht sehen, Go es Geist zu uns gesellt, uns bestärkt in schweren Zeiten, trostvoll uns zur Seite steht, und bei allen Schwierigkeiten unsern Kreuzweg mit uns geht.
2) Dieses Kreuz, auf das wir sehen, es erinnert uns daran, wenn wir denken: wir vergehen, fallen wir in Gottes Hand. Solchen Grund kann niemand legen, niemand stieg so tief hinab, und am Ende aller Wege auferstand er aus dem Grab.
3) Dieses Kreuz will uns beleben, deutet in die Ewigkeit, und im Glauben spür’n wir eben einen Hauch Unendlichkeit. Nicht der Tod ist mehr das Ende, es geht weiter, ganz gewiss; und das Kreuz steht für die Wende, dass die Liebe stärker ist.
Clemens Bittlinger

GEBET aus Psalm 22
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ungehört verhallt mein Hilfeschrei.
„Mein Gott“, so rufe ich, doch nur Schweigen umgibt mich.
Unsere Väter riefen zu dir
und da sie hofften, wurden sie nicht entäuscht.
Aber du, Herr, sei nicht fern. Du bist meine Stärke, hilf mir eilends.
Garten Gethsemane in Jerusalem heute

Gründonnerstag

Es ist Zeit!
Betet, damit ihr stark werdet!

Jerusalem ist voller Menschen, sie pilgern zum Tempel, sie treffen sich in ihren Familien. Es ist Passah, sie feiern die Befreiung aus Ägypten und hoffen wieder auf Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit, wie damals.

Wie den Messias haben sie ihn empfangen, mit Palmenzweigen und Hosianna, gelobt sei Gott in der Höhe!

Nun ist Jesus hier, auf dem Ölberg im Garten Gethsemane, allein. Die Jünger hat er zurückgelassen. Noch einmal haben sie zusammen gesessen, das Festmahl gefeiert, Brot und Wein miteinander geteilt: Mein Leib für Euch! Dieser Kelch, der neue Bund in meinem Blut – für Euch! Der Verräter saß mit am Tisch. Und Streitigkeiten gab es auch, wer denn der Größte sei unter den Jüngern … sie begriffen es nicht.

Und doch, er war froh, dass sie ihm gefolgt waren. Am Eingang des Gartens hatte er ihnen eingeschärft, wach zu bleiben, zu beten!

Es ist dunkel. Er spürt den harten, felsigen Boden unter seinen Knien. Die Olivenbäume geben etwas Schutz. Angst macht sich breit und Trauer: Soll das alles gewesen sein? Ist dies das Ende, ist die Mission gescheitert?

Die Stille ist da, Worte formen sich, Gott ist da. „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“

Und Ruhe kehrt ein. Die Teile, die auseinanderzubrechen schienen, setzen sich wieder zusammen. Wie von allein, als ob ein Engel ihn angerührt hätte. Er kann wieder aufstehen – aufstehen vom Gebet.

Er sieht seine Freunde schlafen, Traurigkeit macht müde. Er weckt sie:
„Es ist Zeit! Betet, damit ihr stark seid, für das, was kommt!“

LIED

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht:
Christus, meine Zuversicht,
auf dich vertrau ich
und fürcht mich nicht,
auf dich vertrau ich
und fürcht mich nicht.
(Taizé-Communauté, Frankreich)

GEBET

Jesus, auch ich bin oft müde und traurig. Wie wird es weitergehen hier bei uns und in der Welt? Alles scheint sich aufzulösen, auseinanderzubrechen … wir begreifen das nicht.
Beten, sagst du, sollen wir, und wach sein. Dir hat es Kraft gegeben, damals im Garten Gethsemane.
So legen wir nun unsere Angst und unsere Hoffnung in deine Hände.
Hab Dank für deinen Trost und zeige uns, wie wir leben können, jeden Tag neu, mit den Menschen, die uns brauchen und einem Engel, der uns stärkt. Danke, du bist da.
Amen