Die Geschichte der Schlosskirche St. Annen

Die Schlosskirche St. Annen ist der erste protestantische Kirchenneubau in der Ev.-Luth. Landeskirche Braunschweig nach Einführung der Reformation im Jahr 1568.
Die Burg Oelber ist schon seit dem 14. Jahrhundert im Besitz der Familie von Cramm. Das Dorf Oelber wurde zu dieser Zeit pfarramtlich von Baddeckenstedt versorgt.
Im Jahr 1592 einigten sich die Brüder Franz und Burchard von Cramm auf den Bau der Schlosskirche, damit der Ort endlich seine eigene Kirche bekommen soll.
1594 wurde der Saalbau für 1275 Gulden fertig gestellt und ist architektonisch eher schlicht gehalten. Der Turm, ein Dachreiter im Westen, hat die Form einer achtseitigen Laterne und ein geschweiftes Dach. Die Ecken des Gebäudes sind mit Sandsteinquadern ausgeführt.
In den ersten eineinhalb Jahrhunderten wurde die Kirche auch als Begräbnisstätte genutzt. Insgesamt 10 Grabplatten der Familien von Cramm und von Bortfeld, die sich einst im Fußboden des Altarraums befanden, schmücken heute die Außenwand des Gotteshauses.

Im Innenraum der Kirche fallen einem die großen Epitaphe neben dem Altar auf. In der linken Nische sieht man ein Bild von dem betenden Ascanius von Cramm, der Urenkel des Kirchenerbauers Burchard von Cramm. Theologiestudent Ascanius starb im Alter von 19 Jahren.
In der rechten Nische befindet sich ein Epitaph aus Marmor. Es ist eine Gedenktafel zu Ehren Achaz Heinrich von Cramm und dessen Familien. Die Tafel wurde 1744 von Charlotte Luise von Cramm errichtet.
Desweiteren befinden sich neben dem Altar zwei Apostelfiguren: Petrus und Paulus, über dessen Entstehungsgeschichte nichts bekannt ist.

Über der inneren Eingangstür sind vier kleine Bleiglasfenster zu finden. Sie zeigen verschiedene Wappen, die für die Geschichte der Familie von Cramm von Bedeutung sind. Im Osten, oberhalb des Altars, befindet sich eine Fensterrosette, die das Gesicht von Jesus Christus mit einer Dornenkrone zeigt. Dieses ist wohl bei Renovierungen im 19. Jahrhundert entstanden. Egal, wo der Kirchenbesucher sitzt, ruhen die Augen Christis auf ihm.
Die Kanzel, der Taufstock und der Stuhl im Altarraum sind auch auf das 19. Jahrhundert zurückzuführen. Leider ist der neugothische Altaraufsatz, bis auf das Kreuz, verschwunden.

Im Jahr 1860 schenkte die Patronin Mechthild von Cramm der Gemeinde eine Orgel, die von Orgelbauer Benthroth aus Seesen aufgestellt wurde. Ob schon vorher in der St. Annen Kirche eine Orgel bespielt wurde, ist nicht überliefert, kann aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen werden.
Ab 1951 gab es immer wieder Erneuerungen und Erweiterungen der Orgel, die letzte im Jahr 2012. Zu dieser Zeit hat Orgelbauer Christoph Greve die Orgel, komplett renoviert und erweitert, so dass sie nun wieder weich und harmonisch im Gottesdienst erklingen kann.

Die Deckenmalereien sind aus dem Jahr 1887 vom berühmten Kirchenmaler Adolf Quensen. Dieser wurde von Baron Edgar von Cramm beauftragt, die Malerei zu erneuern. Zu sehen sind die segnende Hand Gottes, das Lamm mit der Siegesfahne und über dem Altar die Taube, als Bild für den heiligen Geist.

Früher hingen acht Holztafeln in der St. Annen Kirche. Seit 2017 hängen jetzt wieder sechs davon in der Kirche. Während der Sanierungsarbeiten waren sie eingelagert und sind nun frisch restauriert in der Kirche zu sehen. Es ist davon auszugehen, dass die Tafeln Ende des 16. Jahrhunderts Bestandteil des ersten Altars waren. Abgebildet auf den Tafeln ist unter anderem der Apostel Jakobus der Ältere, Schutzheiliger der Pilger.


Text entnommen aus Chronik “St. Annen Schlosskirche zu Oelber am weißen Wege”. Zusammengefasst von Anneke Verwohl.