St. Paulskirche Baddeckenstedt

Kirche Baddeckenstedt

Falls die Angaben des Baddeckenstedter Pastors Sostmann aus dem Jahre 1719 stimmen, wurde die erste Kirche des Ortes 1095 erbaut und dem Apostel Matthäus geweiht. Der erste Pfarrherr soll Johannes Helmar geheißen haben. Entsprechende Angaben fand Sostmann, wie er im Kirchenbuch des Ortes vermerkt, als bei der Veränderung des Chores der Altar umgesetzt wurde. Diesen Aufzeichnungen ist auch zu entnehmen, dass Oelber am weißen Wege “jederzeit ein Filial von Baddeckenstedt gewesen, sie haben zwar ihre eigene Kirche, die St. Annen Kirche gehabt, nachdem aber dieselbe noch lange vor der Reformation zerfallen, sind sie bis An: 1692 hieher nach Badkenstedt gegangen. Es haben aber die Hrn. v. Cram auf ihre eigenen Gerechtigkeit und Kosten daselbst itzo eine Kirche erbauet welche Anno 1592 Dom: XIX p. Trin. von Hr. M. Conrado Medichino eingeweihet.”

Obwohl das Gotteshaus bereits 1095 erbaut worden sein soll, wird es in der ältesten Urkunde des Dorfes aus dem Jahre 1109 nicht erwähnt, sondern erscheint erst um 1180 im Güterverzeichnis des Goslarer Domstifts: “In Batchenstede VIII mansi et una capella et unum molendinum” – In Baddeckenstedt acht Morgen und eine Kapelle und eine Mühle.

Wahrscheinlich wurde um 1300 eine neue Kirche erbaut und dem Apostel Petrus geweiht. Das Abhängigkeitsverhältnis zum Domstift in Goslar scheint inzwischen gelöst worden zu sein. Der Vikar des Bischofs Siegfried II., der Priester Johann von Mahner, erwies sich als Wohltäter der Baddeckenstedter Kirche, denn er kaufte im Jahre 1300 von dem Ritter Johann von Gustedt die Vogtei über einen der Kirche gehörenden Hof zurück, die dieser sich einst unrechtmäßig angeeignet hatte. Im gleichen Jahr erhielt die Kirche von den Grafen Konrad, Heinrich, Johann und Ludolf von Wohldenberg die Vogtei über drei Hufen und drei Höfe in Rhene, die der Ritter Willekin von Gustedt der Kirche verkauft und den Grafen als seine Lehnsherren aufgelassen hatte.

Im Jahre 1523 annektierte Heinrich der Jüngere, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, der von 1514 bis 1568 regierte, nach der Stiftsfehde das sogenannte Große Stift des Hildesheimer Territoriums und damit auch das Amt Wohldenberg. Nachdem der Herzog durch die evangelischen Fürsten des Schmalkaldischen Bundes vertrieben worden war, wurde 1542 im Herzogtum Braunschweig, zu dem Baddeckenstedt nun gehörte, die Reformation eingeführt. Sie wurde jedoch nicht überall befolgt. So erklärte sich zum Beispiel der Pfarrer von Lewe / Liebenburg Hermann Hencke nicht dazu bereit, die Konfession zu wechseln. Außerdem kehrte 1547 der vertriebene Herzog Heinrich wieder in Amt und Würden zurück, so dass die Reformation in unserer engeren Heimat zunächst einmal gescheitert war.

Während der fünf Jahre von 1542 bis 1547 waren die Vertreter der neuen Glaubensrichtung im Herzogtum Braunschweig nicht untätig. So erließen sie 1543 eine neue Kirchenordnung. In den Jahren 1542 und 1544 fanden im ganzen Lande Kirchenvisitationen, besser gesagt, eine Art von Bestandsaufnahme statt, deren Protokolle uns überliefert sind.

1568, nach dem Tode des katholischen Herzogs Heinrich, konnte endlich unter seinem evangelischen Sohn Herzog Julius, der von 1568 bis 1589 regierte, die Reformation eingeführt werden.

Während des Dreißigjährigen Krieges brannte es in Baddeckenstedt mindestens zweimal. Um 1625 – 1628, wahrscheinlich nach der Schlacht bei Lutter am Barenberg, wütete das Feuer zum ersten Mal. (…) Es ist anzunehmen, daß bei diesem Brand auch die kirchlichen Gebäude – Kirche und Pfarrhaus mit Stall, Scheune usw – nicht verschont blieben.
Durch den späteren Baddeckenstedter Pastor Melchior Schaper wissen wir, dass es um 1635 noch einmal gebrannt hat. (…) Demnach wurden also um 1635 das Pfarrhaus zerstört und die Kirche stark beschädigt.

Aus diesem Grunde wurde Baddeckenstedt von 1626 bis 1631 und von 1642 bis 1654 von dem Elber Pastor Köhler verwaltet, zwischendurch auch von Groß Heere aus.

Fünf Jahre vor Beendigung des dreißigjährigen Blutvergießens wurde dem Hildesheimer Bischof 1643 sein 120 Jahre zuvor verlorenes “Großes Stift” wieder zugesprochen. Obwohl der Landesherr katholisch war, wurde seinen evangelischen Untertanen gestattet, ihren Glauben beizubehalten.

1654 erhielt der Ort mit Melchior Schaper einen neuen Pfarrer. Er versprach, die Kosten für den Wiederaufbau des Pfarrhauses vorzustrecken. (…) Pastor Schaper baute wahrscheinlich zunächst das Pfarrhaus wieder auf, um im Jahre 1666 Ausbesserungsarbeiten an der Kirche vornehmen zu lassen. Wie den beiden an der Nordseite des Kirchenschiffes eingelassenen Steinen zu entnehmen ist, waren die Altaristen dieser Jahre, vergleichbar mit den heutigen Kirchenvorstehern, der Müller Barward Sommer und Peter Simon.

Weitere Inschriften an der Kirche geben Aufschluss über andere Bauarbeiten. So war Schaper auch wieder 1689 tätig, wie an einem Fenster der Südseite zu lesen ist:

“ANNO 1689 – PA. MELCH. SCAPERO. ALTARI. IOCH. SOM. PETER SIMON”.
Die Altaristen dieses Jahres hießen also Jochen Sommer und Peter Simon.

Unter Pastor Sostmann (1717 – 1730) erfolgten erhebliche Renovierungsarbeiten an der Kirche. Im Jahre 1719 ließ er den Chorraum der Kirche neu gestalten. Die Decke erhielt ein Gemälde der Himmelfahrt Christi, eine neue Kanzel und ein neuer Altar wurden aufgestellt, außerdem bekam die Kirche einen – inzwischen verschollenen – Taufengel, wahrscheinlich ähnlich dem in der Groß Elbe Kirche, und ein Positiv, womit der Schulmeister den Gemeindegesang zu begleiten hatte.

Auch diese Erneuerungsarbeiten sind an der Kirche überliefert. An einem Fenster an der Nordseite steht folgendes:

“ANNO 1719″ und unter einem weiteren: IesVs ChrIstVs sIt MeVs proteCtor et aeDIs” – Jesus Christus sei mein Beschützer und (meine) Hilfe. Zieht man die übergroß geschriebenen Buchstaben des Textes heraus, erhält man folgendes: IVCIVIMVCDI. Liest man diese Buchstaben als römische Zahlen und ordnet man sie entsprechend, so erhält man die Jahreszahl M D CC VVV IIII = 1719, das Jahr der Renovierung.

Auf der Sohlbank des Fensters ist zu lesen: “H.I. KOHLER. H. NAVE”. Die Altarleute dieser Jahre hießen also Köhler und Naue.

Die Vermutung, dass das Kirchenschiff einst lediglich aus dem heutigen Chorraum bestanden habe und im Rahmen der Bauarbeiten von 1719 nach Westen zu verlängert worden sei, ist bisher noch nicht bewiesen und bedarf eingehender Untersuchung des Gebäudes.

An einem anderen Fenster an der Südseite ist die Jahreszahl 1749 mit dem Namen H. NAVEN zu erkennen.

Nach dem Ableben Pastor Kellers (…) wurde dem Groß Heerer Pastor Volger 1782 auch Baddeckenstedt zugelegt. Dieser Seelsorger wirkte ein halbes Jahrhundert lang im Dorfe, bis er 1833 starb. In diesem Jahre wurde Baddeckenstedt von Heere wieder getrennt. In unserem Dorfe trat Friedrich Schwenke sein Amt an. Zuvor musste jedoch das Pfarrhaus mit seinen Nebengebäuden einer gründlichen Renovierung unterzogen werden, denn während der fünfzig Jahre, die der Ort von Groß Heere aus versorgt worden war, hatte man das Pfarrhaus an verschiedene Häuslinge und Tagelöhner vermietet. Während der gesamten fünf Jahrzehnte war an den Gebäuden nichts angewandt worden, was nun, nachdem das Anwesen wieder von einem Pfarrer benutzt werden sollte, schnellstens zu geschehen hatte. 1500 Reichstaler kostete die Renovierung des Wohnhauses, für Scheune und Stall wurden mindestens 200 Reichstaler veranschlagt, wie der damalige Bauermeister Dörge und die beiden Vorsteher Südekum und Burgdorf am 15.08.1834 dem “Königlichen Hochwürdigen Consistorio in Hannover” in einem Gesuch um “Bewilligung einer Kapital-Collecte Behufs Instandsetzung der Pfarr-Gebäude daselbst” berichteten.

Am 10.06.1841 stürzte der Kirchturm ein und beschädigte den unmittelbar angrenzenden Teil des Kirchenschiffes. 1500 Taler kostete der Wiederaufbau des Turmes im folgenden Jahr 1842. Wahrscheinlich wurde bei dieser Gelegenheit auch die ehemalige Tür an der Nordseite des Gotteshauses zugemauert und nur die Öffnung für ein Fenster gelassen, wie es noch heute zu sehen ist.

Friedrich Schwenke schrieb 1863 wörtlich: “Nachdem (die Gemeinde) sich nun einigermaßen erholt hatte, taugte der lang gehegte Wunsch wieder auf, das Gotteshaus mit einer neuen Orgel zu zieren. Es wurde deßhalb eine freiwillige Sammlung veranstaltet und da diese zur Zufriedenheit ausfiel, wurde die Anfertigung derselben mit dem Orgelbauer Schaper in Hildesheim zu 700 rth. abgeschloßen. Allein als dies geschehen war und dieser schon die Arbeit begonnen hatte, traf die Gemeinde das schwere Unglück, daß im Sommer 1861 die Innerste, die seit Menschen Gedenken nie so hochangeschwollen war, plötzlich die an ihr gezogenen Dämme durchbrach, Aecker und Wiesen überfluthete und so versandete, daß sie zum Theil völlig unbrauchbar geworden sind.

Der dadurch angerichtete Schaden ist auf mehrere tausend Thaler veranschlagt. Sicher wäre die Orgel wieder nicht angeschafft, wenn nicht der Accord schon abgeschloßen und die Anfertigung derselben bereits begonnen hätte. Nachdem dieselbe endlich im vorigen Herbste aufgestellt war und für dieselbe gegenwärtig noch beinahe die Hälfte zu zahlen ist, trifft die Gemeinde wieder ein neues Mißgeschick. Am Sonnabend, den 16ten Mai beim Einläuten des Sonntages zersprang nämlich die Glocke, die einzige, welche die Gemeinde hat und ist daher dieselbe genöthigt, sie sofort umgießen zu laßen. Der Glockengießer Radler in Hildesheim forderte dafür 164 rth.“. Die Orgel wurde  am 4. Advent 1862 (21.12.) eingeweiht.

Im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte sorgten sich die Baddeckenstedter immer wieder um ihr Gotteshaus. 1893 wurde eine neue Glocke angeschafft, 1898 stiftete die Witwe Südekum einen Kronleuchter und am 07.12.1916 beschloss der Vorstand der Kirchengemeinde (…) in der Kirche elektrische Beleuchtung installieren zu lassen. Sie sollte aus sechzehn Lampen bestehen und etwa 500 Mark kosten, die man durch eine Haussammlung aufzubringen gedachte. Bereits Weihnachten 1916, also nur wenige Wochen später, war die Anlage fast fertig.

Am 01.05.1930 fand eine Kirchenvorstandssitzung statt, die sich mit der Reparatur der Orgel beschäftigte. (…) Die Reparatur (…) sollte 941 Mark kosten und ein elektrisches Gebläse 452 Mark. (…) Die Arbeiten wurden ausgeführt, außerdem erhielt die Orgel im gleichen Jahre 1930 auch Prospektpfeifen.

Nach dem zweiten Weltkrieg begannen die ersten Renovierungsarbeiten 1950, als man den Kirchturm neu eindeckte und ihn mit einer Blitzschutzanlage versah. Im folgenden Jahr 1951 wurden Paramente angeschafft und der Kanzelaltar restauriert. 1954 erhielt das Kirchenschiff ein neues Dach und die Kirche wurde vermalt. Im Jahre 1958 erwarb man eine zweite Glocke. Während man 1969 Nachtspeicheröfen installierte, wurde 1971 die Kirche ausgemalt und die Turmspitze restauriert. 1971/72 erneuerten die Handwerker den Fußboden und die Bänke, 1974 die Eingangstür der Kirche. 1973 erhielt das Gotteshaus eine Blitzschutzanlage und 1975 schließlich waren die Orgelbauer wieder am Werke und setzten das über hundert Jahre alte Instrument instand.

Wie oben bereits erwähnt, hatte die Baddeckenstedter Kirche von 1095 Matthäus zum Schutzpatron und die von 1300 Petrus. Das heutige Gotteshaus ist dem Apostel Paulus geweiht.

Die Glocken

Linke Glocke von 1893:

“O LAND, LAND, HOERE DES HERRN WORT! JER. 22,29 + GEGOSSEN VON J.J. RADLER U. SOEHNE IN HILDESHEIM 1893”

Rechte Glocke von 1958:

“VERLEIH UNS FRIEDEN GNAEDIGLICH HERR GOTT ZU UNSEREN ZEITEN FW 1958”.

Diese Glocke wurde von Friedrich Weule in Bockenem gegossen.

Die Orgel

Nach der Kirchenrenovierung 1719, bei der man den Chorraum neu gestaltete, vermerkte der damalige Pastor Sostmann diese Tatsache im Kirchenbuch, ferner berichtete er von “Einem Positive, welches ich von Gronau bekommen um 20 Taler”. Dieses Instrument dürfte das erste gewesen sein, das die Baddeckenstedter Kirchengemeinde besaß. Wie lange es in der Kirche stand, ist nicht bekannt. Es mag sein, dass es beim Einsturz des Kirchturmes 1841 beschädigt oder zerstört wurde, es kann aber auch sein, dass es bis zu der Anschaffung der neuen Orgel 1862 den sonntäglichen Gemeindegesang begleitete. 1862 fertigte der Hildesheimer Orgelbauer Schaper für 700 Taler, von denen ein Großteil von den Bewohner gespendet wurde, die Orgel an, die sich noch heute in der Kirche befindet.

Die Orgel hat folgende Disposition:

Unteres Manual: Oktav 4′, Flöte 4′, Mixtur, Rohrflöte 8′, Sesquialtera, Oktave 2′

Oberes Manual: Quinte 1 1/3′, Gemshorn 4′, Gedackt 8′, Prinzipal 2′

Pedal: Choralbass 4′, Oktavbass 8′, Subbass 16′

Manualkoppel, Pedalkoppel (Unteres Manual – Pedal)


Text entnommen aus der “Chronik von Baddeckenstedt”, erschienen 1984, von Wilfried Bartels, Ortsheimatspfleger Baddeckenstedt bis 2004. Gekürzt und an die aktuelle Rechtschreibung angepasst von Thomas Bartels.