Gedanken zur zu Ende gehenden Woche

Eine sonderbar ruhige, ängstliche  Zeit voller Spannung und Gegensätze –

so habe ich die hinter uns liegende Woche erlebt.

Kontaktverbot, Shutdown – unsere mobile, offene Welt macht dicht, um einen Virus unter Kontrolle zu bekommen und das will noch nicht gelingen. Die Situation in Spanien, in Italien, in den USA ist beängstigend. „Was wir in Deutschland gerade erleben, ist die Ruhe vor dem Sturm.“ sagte unser Gesundheitsminister.

Was wir als selbstverständlich erachtet haben, ist in Frage gestellt. Menschen, die ihren Urlaub, ihr Studium, ihr soziales Jahr im Ausland verbringen wollten, buchen ihre Flüge um oder werden auf Staatskosten zurückgeholt. Fabriken müssen schliessen, Betriebe ihre Arbeit einstellen … erst ein Paar Tage und schon fragen manche: Wie lange?

Und was macht es mit mir, dieses Kontaktverbot: Dass ich dem Nachbarn, den ich auf der Straße treffe, nicht mehr die Hand geben darf, dass ich dem Trauernden nicht mit meinem Händedruck meine Anteilnahme aussprechen kann. Wie geht es den Angehörigen, die ihre Lieben im Pflegeheim oder ihr Kranken in der Klinik nicht mehr besuchen können…

Im Psalm des kommenden Sonntags höre ich eine verstörte Seele rufen. „Judika“ heißt der Sonntag, schaffe mir Recht:

Verschaffe mir Recht, Gott! Führe meinen Rechtsstreit gegen eine Nation, die nicht verlässlich ist. Vor Menschen, die betrügen und Unrecht tun, lass mich entkommen!

Du, du bist der Gott meiner Zuflucht! Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich trauernd umhergehen, unterdrückt von Menschen, die mich anfeinden? Sende dein Licht und deine Wahrhaftigkeit! Sie sollen mich leiten und mich zu deinem heiligen Berg bringen, zu den Orten deiner Gegenwart. Dann kann ich zu Gottes Altar kommen, zum Gott meiner jubelnden Freude und dir danken mit der Harfe, Gott, meine Gottheit. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Was betrübst du dich, meine Seele und bist so unruhig in mir. Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. (Psalm 43,1-5, Bibel in gerechter Sprache und Lutherbibel)

Ja, er flattert im Augenblick ängstlich, unser Seelenvogel – und dann ist es gut, wenn wir uns erinnern an gute Zeiten, die waren und wieder kommen und an das, was auch jetzt gut tut und Freude macht, an das, was gelingt an gegenseitiger Hilfe, Verständnis und Zusammenstehen. Gönnen wir unserer Seele ab und an eine Ruhepause, eine Zuflucht in Erinnerungen, in Träumen, Geschichten, einem guten Film, und vergessen wir das Lachen nicht.

„Harre auf Gott!“, so spricht der Psalmbeter seine eigene Seele an. Ein altertümliches Wort, das ein sehnsüchtiges, gezieltes Warten ausdrückt, ein Herbeisehnen. „Dann kann ich zu Gottes Altar kommen, zum Gott meiner jubelnden Freude…“ Ich denke an den ersten Gottesdienst, den wir in unserer Kirche wieder feiern können, wir wissen nicht, wann das sein wird. Ein Lied möchte ich dann singen, den so vielen bekannten Choral (EG 316):

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, lob ihn, o Seele, vereint mit den mächtigen Chören. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

„Don’t tell God, how big the storm is,

but tell the storm, how big God is.“, las ich in Bangalore (Indien) an einem christlichen Gemeindehaus.

Harren wir auf Gottes Hilfe, dass er uns Kraft und Mut schenke in diesen Zeiten.

Bleiben Sie behütet!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag – und gönnen Sie Ihrer Seele einen Gottesdienst…

Ihre Pfarrerin Christiane Coordes-Bischoff

Gottesdienstangebote am Sonntag, den 29.3.2020:

Kindergottesdienst: www.youtube.com/bayernevangelisch ab 10 Uhr

Ev. Gottesdienst aus der Saalkirche in Ingelheim: ZDF 9.30 Uhr

Ev. Gottesdienst aus der Ev. Klosterkirche bei Bremerhaven: NDR-Info 10.00 Uhr

Freue dich: eine Oase in der Wüstenzeit

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, die ihr lieb habt!
Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid! (Jesaja 66,10)

Dieser 22.3.2020 – der Sonntag Laetare (lat.: Freue dich), an dem die Zahl der Coronainfizierten in Deutschland über 20 000 gestiegen sein wird – fordert uns mit seinem Namen zur Freude auf! Wie soll das gehen, liebe Gemeinde, liebe Leser und Leserinnen?

Es ist nicht einfach, in diesen Zeiten „das Positive“ zu sehen, positiv zu denken, wie wir es anderen und uns selbst sooft sagen. Zu schnell hat sich die Welt und unser Alltag in der vergangenen Woche grundlegend geändert. Alles öffentliche Leben liegt lahm; Schulen und Kindergärten wurden geschlossen; Gottesdienste dürfen nicht stattfinden; Homeoffice ist vielen verordnet; Kurzarbeit nicht nur in der Industrie; Existenzängste in der Gastronomie, im Tourismus … Freue dich? Und dazu die Fernsehbilder aus Italien wie ein Szenario, das bei uns bald auch so ablaufen könnte. Die Vorbereitungen in den Kliniken und im Gesundheitssystem laufen auf Hochtouren … und noch immer gibt es Menschen, die die Verordnung der sozialen Distanz nicht einhalten, so dass wir nicht wissen, ob die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus wirksam sein werden …

Wie wird es weitergehen und wie lange wird der Spuk dauern?
Freue dich??
Uns steht eine schwere Zeit bevor, die ganze Welt wird von dieser Pandemie geschüttelt, verursacht durch einen Virus, einen aggressiven Krankheitserreger.
Was können wir tun, wie kann ich angemessen reagieren, denn es kommt ja „auf jeden einzelnen an“, wie uns die Kanzlerin eingeschärft hat.

Wir Christen erinnern uns in diesen Wochen vor Ostern an den Leidensweg Christi zum Kreuz. Mittendrin werden wir aufgefordert: Freue dich! Das Osterfest soll schon einen Lichtstrahl auch in diese dunkle Zeit schicken, nicht violett, sondern rosa ist darum die Farbe des Sonntags!!
„Auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet!“ (Jesaja 66,12-13)
Da, wo offene oder verdrängte Angst uns beherrschen will, wo scheinbar mutige Rücksichtslosigkeit sich breitmacht, da hilft mir keine rosarote Brille. Aber ich kann darauf vertrauen, dass Gottes Liebe da ist, dass ich mich Gott mit meinen Ängsten und in meiner ganzen Hilflosigkeit anvertrauen darf und sein Trost mir neuen Mut und Ideen schenkt für jeden neuen Tag; denn zu tun gibt es genug: Nun gilt es in dieser Sondersituation sich nicht seelisch einzuschließen, sondern neue Wege zur Kommunikation und gegenseitigen Unterstützung zu finden.
Allein das Telefon: „Ruft doch einfach jeden Tag zwei Menschen an“, macht ein Pfarrer seinen Senioren Mut; „vergrabt euch nicht und vielleicht wählt ihr gerade die Nummer von denen, die ihr normalerweise nicht anrufen würdet …“
Andere überlegen, wie sie in Nachbarschaftsaktionen Älteren beim Einkaufen helfen könnten.
Ja, liebe Eltern und Kinder – auch der Kindergottesdienst fällt aus, vielleicht könnt ihr ja mal eine „Osterkrippe“ basteln (www.kirche-in-elbe.de) …
Und wir können beten! Jeden Mittag läuten um 12.00 Uhr nun die Glocken: Haltet in der Tagesmitte einen Moment inne, denkt an die Kranken in ihren Häusern und in den Kliniken und an diejenigen, die sich um sie kümmern oder betet einfach, wie es ein Konfirmand noch vor 2 Wochen im Vorstellungsgottesdienst in Baddeckenstedt ganz einfach in der Fürbitte formuliert hat: Herr, hilf uns, mit dem Coronavirus fertig zu werden!

Freue dich – ja, vielleicht doch einfach. Vergesst die Freude nicht!
Entdeckt die Oasen in der Wüste, dankt für das Leben, die Musik, das gute Essen, das Gespräch, die Hilfe, die ihr empfangt, die Ruhe der Nacht, den guten Film, das alte, neu entdeckte Spiel, den Sonntag …

In die neue Woche, die für uns als Christen ja mit dem Sonntag beginnt, möchte ich Sie und Euch schicken mit Worten aus unserem Gesangbuch (EG 595):

Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du.
Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort. Von ihm lebst du.
Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag. Für ihn lebst du.

Unser Gott segne und behüte uns,
unser Gott lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig
unser Gott erhebe sein Angesicht auf uns
und schenke uns seinen Frieden. +

Amen

Aktuelle Informationen

Liebe Gemeindeglieder, liebe Interessierte!

Auch ich will als Pfarrerin nun verstärkt Informationen, Gedanken und Impulse mithilfe unserer Homepage zu Ihnen ins Haus bringen bzw. dorthin wo Sie sich gerade aufhalten.

Ich bevorzuge immer die analoge Begegnung, mache normalerweise gerne Besuche, feiere Gottesdienste mit Ihnen, treffe Sie und Euch im Seniorenkreis, im Konfirmandenunterricht, bei Sitzungen und auf der Straße. Nun sind wir – wegen der Corona-Krise angehalten – unsere sozialen Kontakte auf das Minimum zu beschränken, weil dieser Virus eben noch nicht eingedämmt ist und überall sein kann.

Gerade hat uns unser Landesbischof aufgefordert, ein Mittagsgeläut in all unseren Kirchen, jeweils um 12.00 Uhr zu organisieren – jeweils eine Minute lang mit einer Glocke, als Zeichen dafür, dass wir im Glauben zusammenstehen. Folgendes Gebet kann uns dabei vereinen, wenn wir die Glocken hören:

Herr, unser Gott, lass uns jetzt im Glauben zusammenstehen.

Stärke unser Vertrauen und unseren Mut.

Unsere Worte und unsere Taten mögen von Liebe erfüllt sein.

Sei bei allen, die krank sind, sich Sorgen machen oder Angst haben.

Segne alle, die ihnen helfen.

Schenke uns allen Geduld und Kraft.

Das bitten wir dich durch Jesus Christus.

Amen

Bis Ostern werden Sie, werdet ihr die Glocken nun jeden Mittag läuten hören.

„Seltsame Zeiten; aber wir werden das schaffen!“ schrieb eine Kirchenvorsteherin in einer Mail, in der wir uns über die Verschiebung der Konfirmationen verständigt haben.

Ja, nun liegt der schön gedruckte Gemeindebrief vor Ihnen und alle Ankündigungen sind hinfällig geworden:

Alles, was wir in der Passionszeit geplant hatten, die Gesprächsreihe, alle Gottesdienste – auch an Karfreitag und Ostern bis zum 19.4.2020 – und auch die Konfirmationen in Baddeckenstedt und Oelber müssen wir leider absagen.

Wir als Kirchengemeinden beteiligen uns mit Überzeugung an den Maßnahmen, die die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen sollen – in Verantwortung und in Solidarität, gerade auch mit Ihnen, liebe ältere und kranke Gemeindemitglieder.

Auch alle Kreise, das Frauenfrühstück, der Konfirmandenunterricht, der Kindergottesdienst, und alle Sitzungen sind ausgesetzt. Das Leben in unseren Kirchen und Gemeindehäusern ruht. Das trifft uns sehr und verändert unseren kirchlichen Alltag in den kommenden Wochen total.

Trotzdem können wir die Gemeinschaft unter uns pflegen und Gottes Mut machendes Wort hören.

Ich möchte Sie einladen, an den Sonn- und Feiertagen an Fernseh- oder Radiogottesdiensten teilzunehmen. „Ich mache uns dann eine Kerze an, lege mein Gesangbuch daneben. Das gibt uns wirklich was …“, sagte mir eine Frau am Telefon. Auch im Internet gibt es Angebote. Wir werden auf unserer Homepage Impulse, Bekanntmachungen, Andachten veröffentlichen und wir werden Sie in den Schaukästen über neue Entwicklungen und alternative Angebote informieren.

Unser Pfarrbüro werden wir für den Publikumsverkehr zunächst schließen. Wir sind aber da und Sie können uns anrufen, wenn Sie ein Anliegen haben.

Als Seelsorgerin werde ich natürlich ansprechbar sein, rufen Sie mich gerne an! (Tel. 05345/4040)

Ihre  Pfarrerin Christiane Coordes-Bischoff

Andacht – April 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

„Zuversicht – Sieben Woche ohne Pessimismus“ – lautet das Motto in der Zeit vor Ostern. Es hat mich spontan angesprochen. Denn ich merke, wie sehr ich es mir wieder angewöhnt habe, auf die negativen Schlagzeilen, die Enttäuschungen und die traurigen Entwicklungen zu schauen. Im Freundeskreis ist eine Ehe auseinandergegangen, eine Krebserkrankung in der Familie, ein tödlicher Unfall. Politik und Gesellschaft: Wo ist das Gemeinsame, der Strang, an dem wir ziehen, um die Probleme unserer Zeit anzupacken?

Die Wochen bis Ostern, das Warten auf den Frühling, kann uns anspornen, Vergehen und Neuwerden wieder in den Blick zu nehmen. Es ist die Zeit, aufzuräumen und Altes hinter sich zu lassen. Ich schaue nicht auf die anderen und stimme ein in das allgemeine Lamentieren, ich lasse mich nicht ängstigen von Krankheiten und Ansteckungsgefahren. Ich kehre vor meiner eigenen Haustür. Ich schaue auf meine Ressourcen und Begabungen, ich pflege meine Beziehungen, wende mich denen zu, die es wirklich schwer haben. „Öffne die Augen, dann wird jeder Tag dir etwas Besonderes zeigen!“ – Das steht auf meinem Kaffeebecher, sagt mir eine Kirchenvorsteherin heute Morgen am Telefon. Ja! „Reich Gottes“ hat Jesus es genannt und erklärt uns in einem Bild, was er meint: „Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre.“ (Markus 4,26-28) Der Same ist da. Wir als Christen vertrauen auf die Macht der Liebe, die selbst den Tod überwunden hat. Mit diesem Vertrauen im Herzen und in den Händen, kann das Leben unter uns und in uns wieder neu werden.

„Zuversicht – Sieben Wochen ohne Pessimismus“ – „Oh, das ist schwer!“ sagte jemand im Seniorenkreis gestern spontan. Es heiß ja auch nicht, dass wir wegsehen sollen, sondern dass wir aktiv – auch mit Leiden und Trauer umgehen können, weil wir auf eine Hoffnung zugehen und weil wir glauben, dass Gottes Liebe uns auch durch die schwierigen Phasen des Lebens hindurchbegleitet und uns neue Freude schenken wird.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesegnete Wochen in der Passionszeit und schon jetzt ein Frohes Osterfest!

Gottesdienst am Weltgebetstag 2020

Herzliche Einladung zum Gottesdienst am Weltgebetstag 2020
in der St.-Pauls-Kirche zu Baddeckenstedt
am Freitag, dem 6. März
um 18:00 Uhr
Anschließend laden wir Frauen der Kirchengemeinde herzlich dazu ein, im gemütlichen Gemeinderaum kleine afrikanische Köstlichkeiten zu probieren.

Liebe Frauen und Mädchen unserer Kirchengemeinden,

es ist wieder mal soweit, die Vorbereitungen für den Weltgebetstag haben begonnen, das erste interessante Arbeitsmaterial für unseren Gottesdienst ist eingetroffen.
Im vergangenen März durften wir die herzliche Gastfreundschaft unserer Schwestern im katholischen Pfarrhaus in Baddeckenstedt genießen. Den kommenden Gottesdienst zum Weltgebetstag 2020 werden wir gemeinsam in unserer evangelischen St.-Pauls-Kirche in Baddeckenstedt feiern.

„Steh auf und geh!“ Mit dieser Aufforderung laden uns die Frauen aus Simbabwe zur gemeinsamen Feier des Gottesdienstes am Weltgebetstag ein.

Während unserer gemeinsamen Vorbereitungen in den Arbeitsgruppen werden wir das Leben der Frauen und ihrer Familien in dem afrikanischen Land schon ein wenig kennenlernen. Neue exotische Kochrezepte wollen ausprobiert werden, Leserinnen für den Gottesdienst und kreative Bastlerinnen für die Dekorationen sind herzlich willkommen.

Wenn ihr nun schon ein bisschen neugierig geworden seid und gern an der Gestaltung des Gottesdienstes oder der anschließenden kleinen Feier im Pfarrhaus mitarbeiten möchtet, dann meldet euch doch bitte bei mir oder im Pfarrhaus. Im neuen Jahr geht’s dann los!
Wir freuen uns auf euch!
Eure Annegret M.